Meist beziehen sich diese Aussagen auf oberflächlich betrachtete Kleinigkeiten, aber scheinbar hat das ganze System als solches auch nachhaltigen Einfluss auf die Denkstrukturen verschiedener Vereinsfunktionäre.
Unlängst las ich in einem Neuigkeitenbrief, daß der gesetzliche Vorstand eines Vereins beantragt, in die Satzung aufzunehmen, daß alle Mitglieder des erweiterten Vorstandes vom Antragsteller ernannt und entfernt werden und nicht wie bisher in diesem Verein üblich, vom Souverän des Vereins, der Hauptversammlung (oder auch: das Volk).
War es bisher üblich, daß besagte Vertreter des erweiterten Vorstandes aufgrund der Wahl durch die HV sogenannte besondere Vertreter im Sinne des BGB und damit zur unabhängigen Arbeit für ihren Geschäftsbereich ermächtigt waren, würden sie fürderhin nur noch gefügige Handlanger des Vorstandes sein. Das macht natürlich dann Sinn, wenn ein Vorstand nur im eigenen Interesse arbeitet und Satzungen und Ordnungen mit Füßen tritt. Denn dann könnte man sich unbehelligt die Taschen vollstopfen, weil keiner da ist, der regulierend das Wort erhebt.
Musste man bisher nicht gefügige Amtsträger mittels illegitimer Verfahren auf Kosten der Vereinskasse mundtot machen und riskieren, von höherer Instanz an die grundsätzliche Gültigkeit von Satzungen erinnert zu werden (und womöglich die Kosten wegen vorsätzlichen Verhaltens selbst zu tragen), würde man sie nun einfach entlassen und fertig ist.
Was genau bedeutet denn das, wird so manch Leser fragen? Nun, es bedeutet, daß der Souverän lediglich die fünf Vorstandsposten per Wahl bestimmen darf, alle anderen Posten besetzt das Konglomerat der Fünf Freunde, analog zum früheren Zentralkomitee. Das Zentralkomitee ernennt dann natürlich nur Parteisekretäre, die auf Linie sind und die über saubere Kaderakten verfügen unabhängig von Kenntnissen und Fähigkeiten.....und das sind immerhin mehr als zehn Posten.
Im Grunde entsteht nichts weiter als eine Einheitsliste, die Vielfalt im Denken und Handeln wird verhindert und Veränderungen werden weitestgehend ausgeschlossen. 'Aber nein, dazu müsste man ja mehr als nur einen Paragraphen der Satzung ändern, so einfach ist das nicht', wird da der satzungsaffine Mitleser ausrufen. Im Grundsatz richtig, aber wer hält sich schon an Satzungen und Ordnungen, wenn er den ersten Schritt zur totalen Kontrolle hinter sich hat? Schon jetzt werden Urteile höherer Instanzen schlichtweg ignoriert, anstatt Konsequenzen bezüglich der eigenen Person zu ziehen wird weiter in Richtung Eskalation gearbeitet.
Man kann lediglich hoffen, daß jeder einzelne Souverän bemerkt, was da beabsichtigt ist, damit der betroffene Verein nicht genauso in Inkompetenz versinkt wie dieser Staat, in dem nicht alles nur schlecht gewesen sein soll......