Mittwoch, 20. Oktober 2010

Wenn morgen früh die Sonne lacht, hat Anneliese das gemacht


Liebe Seminarteilnehmer,


wir wollen die heutige Stunde dazu nutzen, noch einmal auf die letzten Kursaufgaben einzugehen. Wie mir scheint, ist der Umgang mit den letzten, den geschliffenen Feinheiten noch nicht Bestandteil eines jeden Repertoirs. Auch bin ich selbst mit der Auswahl der Sprachbilder und Metaphern bezüglich der einzelnen Zusammenhänge nicht hunderprozentig zufrieden; aber betrachten wir doch die Sachverhalte im Einzelnen.




Zunächst, auch zum Einstieg ging es ja um die Darstellung einer Hundeshow, die unter falschen Voraussetzungen im Lande der Nichtdichter und Nichtdenker stattfand. Ganz treffend, wenn auch etwas plakativ und nicht ohne Schwächen, empfand ich die assoziativ bebilderte Nähe des Richters zur beliebten Comicfigur 'Hans Maulwurf' aus der Serie 'Die Simpsons'






Sicher löst diese Metaphorik die Problematik der zur Schau gestellten Inkompetenz ganz gut auf, jedoch vermisse ich in diesem Zusammenhang auch einen klaren Hinweis auf die ausgeglichene Verteilung der Ehrungen unter den jeweiligen Honoratioren sowie die Notwendigkeit der Verpflichtung unseres Hans, demnächst im Rahmen einer Veranstaltung wieder Mischlinge gegen ein Entgelt als reinrassige Hunde zu registrieren. Außerdem ist Hans Maulwurf erst 31, da wurde nachlässig recherchiert.

Als Cineast freue ich mich immer wieder, wenn die Atmosphäre dieser Veranstaltung vom Haugout her stark in die Nähe der Ballszene aus 'Fearless Vampire Killers' gerückt wird, dieser Idee möchte ich nicht widersprechen, wenn sich Extremisten unterschiedlicher Lager zum puren Eigennutz verbünden und alles irgendwie surreal anmutet. Aber es existieren geradezu liebevoll improvisierte Fotos der Veranstaltung, und Vampire erscheinen weder im Spiegel noch auf Fotos, oder gilt das nur für die Analogfotografie?

Etwas sehr grob mit der Politkeule finde ich den Hinweis auf den Hitler-Stalin-Pakt, obwohl solch ein Diskurs in die Niederungen diktatorischer Absprachen und deren Auflösung zum geeigneten Zeitpunkt sicher einen Archetypus menschlischer Verhaltensweisen innerhalb jeder soziologischen Dialektik repräsentieren kann. Das können aber nur Leser nachvollziehen, denen das Rüstzeug präsent ist - ich habe da meine Zweifel bei Publikationen, die grösstenteils von den beschriebenen Tätern selbst gelesen werden, die solche Fähigkeiten bislang immer als schädlich und absolut vernachlässigbar betrachteten.

Sicher eher Säbel oder sogar Keule denn Florett das angebliche zugespielte Foto des BOB-Gewinners, aber sind wir ehrlich, im Vergleich zur Realität ist man immer eher bereit zu lachen als sich begründet zu schaudern - daher: Daumen hoch in bezug auf Symbolik, wenn's auch die grobe Kelle ist....zu Recht, wie ich finde




Aber kommen wir zu den anderen Aufgaben, z.B. liegt mir eine Lösung vor zur Thematik 'Sinn und Unsinn von Satzung und Ordnung und die Forderungen nach Einhaltung derselben'. In diesem Kontext sollte ja umschrieben werden, wie sinnlos es ist, gegenüber einer Gruppe von vorsätzlichen Rechtsbeugern wiederholt Satzungskonformität zu verlangen oder gar zu erwarten. Ein Seminarteilnehmer löste die Aufgabe mittels einer Miniatur anlässlich eines Überfalls eines Bankinstituts in einer Rheinischen Kleinstadt. Ganz witzig, wenn auch fehlerhaft, die Einführung einer Bankräuberbande unter Führung von 'Ma Braun' in Anlehnung an die berühmte Straftäterin aus dem amerikanischen Raum ,die sogar schon von Boney M. besungen wurde.

Große Nähe zu den Protagonisten beweist der Schreiber des Gleichnisses dann im Dialog, als die Gruppe der Überfallenden naiv von einem Bankkunden, einem lokalen Jungindustriellen, verbal angegangen wird.....es sei doch nicht notwendig, hier darauf zu bestehen, auf 9mm herausgegeben zu bekommen, nur weil man seine EC-Karte nicht dabei hätte, in den AGB des Instituts sei doch klar vermerkt, daß notfalls auch auf Personalausweis und Auszahlungsschein Bares Wahres werden könne usw.

Authentisch der postwendende Wutbrüllanfall der Anführerin, was es sich denn einbilde, dieses dumme Jungchen und überhaupt, es wisse wohl nicht, wen es vor sich hätte, und nicht nur Insider werden geschmunzelt haben, als ein Mitglied der Bande in Odenwälder Mundart entschuldigend in den Raum stellte, er müsse mal gucken, ob er nicht seine EC-Karte nur verlegt hat und daß er eigentlich mit dem Überfall nichts zu tun hätte und die anderen Beteiligten gar nicht kenne.

Alles in allem, eine sehr gute Darstellung der beliebten Gegensätze 'naiv' und 'indolent', kompliziert zwar wegen der Nähe zu den Persönlichkeiten der Protagonisten und etwas billig, wenn statt des Geldautomaten dann auch noch der Kontoauszugsdrucker mitgenommen wird und vier Bankräuber in einem Smart mit Aufdruck eines Hundefutterverkäufers fliehen - einfach zu viel des Guten, finde ich.

Völlig unzufrieden war ich mit der Ausarbeitung des Themas 'Der HZW unterschlägt weiterhin die Papiere für ganze Würfe und riskiert lieber die Vereinskasse als unter Druck der eigenen Unruhe nachzugeben'. Unbeachtet blieben hier offenbar die Hinweise, vielleicht angesichts druckimplizierter Hysterie und des notwendigen Zurechtrückens von Köpfen sich cineastischer Metaphern aus dem 'Cage aux Folles' zu bedienen - nun, nicht jeder mag diesen Film, ich schon.



Das Thema 'Stalking' ist in der heutigen Zeit ja ein durchaus ernstes, die Ausarbeitung eines solchen Zusammenhangs im Kontext einer Gerichtsverhandlung im humoristischen Umfeld daher eher grenzwertig. Die Grenzen der Satire sind aber mehr als durchlässig, und was ist schon dabei, wenn ein Kursteilnehmer eine ganze Gerichtskammer um Polizeischutz bitten lässt, da sie sich von einem Vereinsvorstand unter Anführung einer älteren Dame nicht nur verfolgt, sondern auch bedrängt fühlt?


In der Übertreibung liegt die Anschaulichkeit, und die Aufgabe war auch schwer, denn es galt ja, zwei Sachverhalte unter einen Hut zu bringen. Zunächst einmal ging es um ein Schreiben im Zusammenhang mit einem Zivilprozess, das ein Anwalt nach Aufforderung durch einen Vereinsvorstand unaufgefordert in den Prozesskreislauf einwarf, um quasi auf Vereinskosten zu behaupten, die Klägerin sei vom Teufel besessen, damit der Beklagte weiterhin als gedungener Kronzeuge für die eigenen Unwahrheiten eintreten könnte. Daraus wurde dann nichts, weil sich der Beklagte und eine Zeugin zu sehr in Unwahrheiten verstrickten und letztendlich hochgingen.


Dann war da noch ein Gutachten, das die alte Dame an das Gericht schickte, ohne darum gebeten worden zu sein und ohne überhaupt die Qualifikation dafür zu besitzen und in welchem sie im Grunde 80% aller reinrassigen Hunde monetär wertlos darstellte (es sei denn, es handele sich um die ihrigen oder die ihrer Sputniks).


Solche der realen Welt entlehnten Absurditäten sind oftmals nur durch das satirische Mittel der Übertreibung darzustellen, so daß die alte Dame dann letztendlich täglich bis zu zwanzig Eingaben an das Landgericht R. schickt und final wegen Verlustes des eigentlichen Realitätsbegriffs in Schutzhaft genommen wird. Drastisch, aber lückenlos und detailverliebt ausgearbeitet. Empfehlenswerte Lektüre.


Schade, daß die Zeit heute zu rennen scheint, leider schaffen wir es nicht, alle Vorgänge abzuarbeiten. Als Hausaufgabe zu nächster Woche bitte ich um metaphorische Umsetzung des Themas 'Ein Vorstand verpulvert 16000€, um seine eigenen, privaten Schweinereien anwaltlich reinzuwaschen und möchte die Verursachung der Kosten anderen in die Schuhe schieben'. Freie Hand in der Wahl der Mittel - nur bitte keinen Basisaufbau auf das Lied 'Wo is mein Jeld nur jeblieben?' der unsäglichen Helga Hahnemann selig, da diese nur eine lokale Größe ist......und auch nicht ihn hier,
bitte










Freitag, 23. Juli 2010

Nur noch Trash aus Kaisersesch?



Es ist nur ein paar Tage her, da sah ich irgendwo im TV den durchaus populären Modekonstrukteur Karl Lagerfeld, dem im Rahmen eines Interviews die Frage gestellt wurde, was denn das Besondere sei an seiner neuen Muse 'Baptiste'. Nicht, daß mich die Antwort inhaltlich besonders interessiert hätte, denn ich bin ein phantasiebegabter Beobachter, jedoch überraschte der Meister der fuffigen Attitüde mit seiner Antwort. 'Es ist die vollkommene Abwesenheit jeglicher Vulgarität' sagte dieser und hinterliess mich beeindruckt.

Ebenso beeindruckt war ich, wenn auch auf einem anderen Umgangslevel, dieser Tage von den Beiträgen eines Users in einem freiheitlichen Forum, welcher die Präsenz vollkommener Vulgarität unter Abwesenheit jeglichen Benehmens geradezu zelebrierte. Dieser User, der sich dort unter dem Pseudonym 'futuere' offenbar anonym wähnte, setzte sicher Maßstäbe, doch denke ich, daß der wohl kaum in die engere Wahl kommt, wenn Karl Lagerfeld mal wieder eine neue Muse bräuchte......

Just als ich so darüber sinnierte, wie verschieden doch die Ansprüche der Leute so sind, sprang am PC wie von Geisterhand die Registerkarte des Browsers um und die Zuchtrichterordnung des VDH erschien mir. Eigentlich hatte ich diese nur offen, da ich mich zur Zeit in Proben befinde, diese Ordnung im Rahmen einer Eurythmieprüfung vor Waldorfpädagogen zu tanzen, aber irgendwie stach mir der § 3 ins Auge, der da in Auszügen lautet:

Talent, Kompetenz und persönliche Integrität sind die tragenden Säulen des Zuchtrichteramtes und bilden damit die zentralen Anforderungen an seine Inhaber wie an seine Bewerber. Die jederzeitige und uneingeschränkte Erfüllung dieser Anforderung ist unverzichtbar.....Zuchtrichter haben zu beachten, daß sie gegenüber den Ausstellern und der Öffentlichkeit den Rassehundezuchtverein, den VDH und die FCI repräsentieren.

Nun, dachte ich mir so, wenn ich der VDH wäre, würde ich vielleicht Baptiste engagieren, 'futuere' würde ich schon aber nicht nur wegen des mehr als anzüglichen Namens von diesem Amt fernhalten.

In diesem Sinne - keep reaching for that rainbow

Donnerstag, 15. Juli 2010

Der Kynologe auf der Erbse

Immer wenn der kleine Hund, der keine Papiere bekommt, so durch seine noch kleinere Welt wandelt, fragt er sich immer wieder, was denn der böse Mann gegen ihn hätte, der ihm seine Papiere einfach nicht geben will. Ohne diese Papiere kann doch der kleine Hund nicht an all den tollen Sachen teilnehmen, an denen seine Altersgenossen so viel Spaß haben.

Der böse Mann, den alle den großen Kynologen mit dem messerscharfen Verstand nennen, wird schon wissen, warum er das tut, denkt sich der kleine Hund immer wieder, sicher wolle er nicht, daß der kleine Hund mit den anderen kleinen Hunden des großen Kynologen zusammen gesehen wird. Denn der große Kynologe fährt ganz viel durch die Welt, immer in Begleitung eines kleinen Kynologen. Der große und der kleine Kynologe zeigen ganz oft ihre kleinen Hunde vor anderen Menschen, damit die anderen Menschen immer sagen müssen, wie toll denn die kleinen Hunde des großen und des kleinen Kynologen sind. Die anderen Menschen müssen das machen, denn sonst wird der kleine Kynologe ganz böse und der große Kynologe weint bitterlich und ist beleidigt.

Und wenn der große Kynologe beleidigt ist, dann darf ihm nicht einmal der kleine Kynologe unter die Augen treten und geht lieber ein paar Sätze Bankdrücken. Viele Leute sagen ja, der große Kynologe sei einfach zu empfindlich und gegen ihn sei die Prinzessin auf der Erbse ein Ledernacken. Manchmal sagt das jemand zu laut, so daß es der große Kynologe hört, und dann ruft der große Kynologe immer gleich die jurisprudierende Landsknechtin zu sich, damit die viele Briefe schreibt an alle Menschen, die den großen Kynologen beleidigt haben sollen und ihnen mitteilt, daß dieser das als Anlass nehme, fürderhin nur noch willkürlich zu handeln wie es ihm gefällt, denn er ist ja der große Kynologe und wolle alle loswerden, die ihn beleidigen.

Eine Frau soll ihn auch mal beleidigt haben, und irgendwie ist das der Grund, weshalb der kleine Hund nun keine Papiere hat, obwohl er nichts dafür kann. Der kleine Hund ist darüber so traurig, daß er schon nach Auswegen gesucht hat, endlich Papiere zu bekommen. Jemand hat dem kleinen Hund erzählt, er solle doch einfach sagen, er sei in einem anderen Land geboren, das ganz weit weg liegen würde, am anderen Ende der Welt und schon würde er Papiere bekommen, die sogar der große Kynologe gut finden müsste. Der kleine Hund wollte so etwas aber nicht, denn er weiß nichts über andere Länder, obwohl er es ganz faszinierend finden würde, zu sagen, er komme eigentlich aus Brasilien oder gar von der Vega.

Hoffen wir für den kleinen Hund, daß er bald seine richtigen Papiere bekommt.




Mittwoch, 7. Juli 2010

Die Mär vom Gorx


Sicher kennt hierzulande jeder die Geschichte von Pinocchio, dem lebenslustigen Holzpüppchen, das eine lange Nase bekommt, wenn es flunkert. Mitbürger aus den sogenannten neuen Bundesländern – ein Terminus von eben solcher Langlebigkeit wie der vom 'neuen' Sänger von AC/DC, der nun mittlerweile auch schon 30 Jahre im Geschäft ist, aber nie diesen Status ablegen konnte – kennen ergänzend diese Figur auch als Buratino (manchmal auch Burattino), da seinerzeit jede zweite Kita der DDR nach dieser Figur aus kampfbrüderischer Hand benannt wurde, wenn Namen wie 'Kindertagesstätte 23.Februar' bereits vergeben waren.

Kaum aber jemand kennt hingegen die deutsche Entsprechung des 'Zäpfel Kern', warum weiß ich nicht. Umstritten sind auch die Ursprünge solch volkstümlicher Geschichten, die sehr oft ihre Herkunft aus alten Überlieferungen beziehen. Geht es in oben beschriebenen Zusammenhängen immer um ein zum Leben erwecktes Werkstück aus Holz, gibt es regional unterschiedlich auch Geschichten von merkwürdigen Begebenheiten um lebendige Speisen oder Gemüse. Sind es in nördlichen und Küstenregionen eher Fischartige wie in der friesischen 'Moritat vom gar gräuselichen Heilbutte', findet man in eher zentral gelegenen Regionen auch verschiedene Überlieferungen von dämonischen Zuckerrüben, denen besonders in katholisch dominierten Enklaven wie Paderborn oder Osnabrück Personalunion mit dem Antichristen aus der Offenbarung bescheinigt werden. Diese Fische oder Rüben haben alle Eines gemeinsam, sie lügen, daß sich die Balken biegen und das aus verschiedenen Gründen.


Eine solche Figur gibt es auch in der Region um den Odenwald, den sogenannten 'Gorx'. Was genau dieser Gorx nun ist und was er bezweckt, ist nirgendwo genau beschrieben, überhaupt sind schriftliche Überlieferungen rar, und diese beschränken sich auf Faksimiles handschriftlicher Exemplare verfasst in lokaler Mundart. Für außenstehende Leser sind diese Dialekte, die sich eher für parodistische Zwecke denn zu kommunikativen eignen, eine Herausforderung.

Der Gorx selbst gibt sich nur schwachen und gierigen Charakteren zu erkennen, angeblich in Form einer sprechenden Kartoffel. Wird einem geeigneten Opfer eine Schale mit gegarten Erdäpfeln gereicht, wird dieses aus Eigennutz sofort zur auffällig Größten langen – und schon hängt es am Haken. Das niederträchtige Gemüse verspricht nun dem übrigens immer männlichen Opfer (sicher eine Folge der tradierten patriarchalischen Gesellschaftsform), diesem zu Ruhm und Ehre zu verhelfen, wonach dieses aufgrund seiner unbedeutenden Persönlichkeit natürlich giert. Sobald beginnt das Opfer, im täglichen Leben zu lügen und sich dadurch Vorteile zu verschaffen, steigt vordergründig auf in seiner Gemeinschaft, ohne auch nur über das geringste Talent zu verfügen. Wie ein Fluch wird das Opfer, das mittlerweile zum rücksichtslosen Täter mutiert ist, dazu verdammt, in jeder Situation zu lügen und sich dadurch immer mehr ins soziale Abseits zu stellen und letztendlich wurden besagte 'Vergorxte' mit Knüppeln aus den Dörfern gejagt, im Zeitalter aufkommender Industrialisierung angeblich nicht ohne vorher geteert und gefedert worden zu sein.

Historiker zweifeln hingegen an, daß diese wohl 400 – 500 Jahre alte Mär auf einer Kartoffel basieren kann, wurde diese doch erst im Zeitalter des großen Preußenkönigs als 'Kartuffel' einer weiteren Verbreitung zugeführt. Man nimmt an, daß eine Transformation stattgefunden hat in einer Zeit der Anfänge der Kartoffel im Odenwald, als diese noch 'das Lügenkraut' genannt wurde. Die traditionelle Unfähigkeit des damaligen Odenwälders zum genauen Zuhören und Verstehen hatte vielfach dazu geführt, daß Teile der Bevölkerung den oberirdischen Teil des Gewächses verzehrt hatten und sich dadurch ums Leben brachten und sich demzufolge die Meinung durchsetzte, dieser Segen der modernen Ernährung sei Teufelswerk.


Glaubhafte Quellen verweisen hingegen darauf, daß es sich ursprünglich einmal um einen verlogenen Kohlrabi gehandelt haben muss, nur spricht dem entgegen, daß dem Kohlrabi nie die Wertigkeit in der Ernährung zugestanden wurde, die er vielleicht verdient hätte. Wahrscheinlicher ist da die Theorie, daß es sich um eine Art Knödel aus Getreideprodukten gehandelt haben muss. Diese Theorie beinhaltet aber die Erklärung einer möglichen Verfluchung des Opfers durch die Person, die den Knödel angefertigt hatte, wohingegen die Erklärungen auf Kohlrabi- oder Kartoffelbasis von einer unerklärlichen, metaphysisch verursachten Verfluchung ausgehen. Vieles ist natürlich in volkstümlichem Aberglauben begründet, dem die christliche Kirche flächendeckend den eigenen entgegengesetzt hat.


Heutzutage ist der Gorx in der jüngeren Generation vergessen, jedoch verweisen ältere Semester immer noch gern auf die tatsächliche Existenz solcher Menschen, die dem Verführer anheimfallen, und wer ignoriert schon vorsätzlich die Weisheit älterer Leute, wenn diese Weisheit nicht mit Altersstarrsinn verwechselt wird? In wieweit die Behauptung zu verifizieren ist, größere Ortschaften im geographischen Zentrum dieser unklar überlieferten Begebenheiten seien doch nachvollziehbar nach diesem Phänomen benannt, erscheint zur Zeit noch unklar.
Ansonsten ist nur noch überliefert, daß Auswanderer aus dem Odenwald, die sich im heutigen Bundesstaate Iowa niederliessen, wohl erfolglos mittels dieser Mär versucht haben sollen, die Verbreitung der Kartoffel zu verhindern. Ein österreichischer Künstler namens Gorx, der sich ein wenig für den Andy Warhol der Alpenrepublik hält, hat seinen Namen wohl nicht aus dieser Quelle entlehnt.


Vielen Dank auch hier noch einmal an die vielen fleissigen Wikipedia-Autoren, ohne deren Unterstützung diese Betrachtung unmöglich gewesen wäre.

Dienstag, 22. Juni 2010

Odenwälder Impressionen


Bitte verschont mich mit weiteren Hinweisen darauf, daß die Örtlichkeit der letzten Ausstellung, die eigentlich eine Zuchtschau war, da sie nicht nach Verbandsregeln durchgeführt wurde, bereits nach einer Woche auf der Website korrigiert wurde – und das gleich im ersten Versuch. Seht das nicht mit Häme, seht es positiv, als einen Schritt auf dem Weg zur Besserung, auch wenn man natürlich noch weit entfernt ist von den Ansprüchen, die die freie Wirtschaft an einen Pfleger von Internetpräsenzen stellen würde.

Bezüglich der Kurzinfo des 1. Vorsitzenden befinde ich mich immer noch im Stadium der Meinungsbildung. Sicher wäre es ungewöhnlich, sollte diese tatsächlich einmal aus eigener Feder stammen, soweit stimme ich zu. Tendenziell würde ich nicht widersprechen, daß sie nicht der Phantasie des fleischgewordenen Emoticons entsprungen ist, dessen Begeisterung analog zur Anzahl der verwendeten Ausrufezeichen zu bemessen ist, zumal dieses ja abgetaucht zu sein scheint. Für die Vermutung, es könne ein Beitrag der Loud Lady sein, möchte ich mich auch nicht erwärmen, vermisse ich doch im Ausdruck die sonst so freimütig eingeräumte Feindseligkeit gegenüber verschiedenen Präpositionen und deren anerkannter Schreibweise.

Die übermäßige Verwendung von positiv besetzten Attributen und das Hervorheben von Nichtigkeiten, die nicht nur Psychologiestudenten ab dem 4. Semester aufwärts zu dem Verdacht treiben, es müsse ordentlich etwas vertuscht werden, sind auch kein bedeutsamer Hinweis auf eine Urheberschaft aus ungelenk-jugendlicher Hand, auch wenn uns verschiedene Stilblüten (Versorgung des leiblichen Wohls, Herbstzuchtschau (Freud lässt grüssen), außerordentliche JHV) in Richtung unerfahrener Rhetorik zerren. Dafür würde natürlich auch die namentliche Beweihräucherung sprechen, wie es ein Schreiber ganz richtig anführte. Aber eigentlich möchte ich mich nicht damit beschäftigen, die Inhalte sind doch interessanter, vor allem die Kernaussage.

Die DNA-Typisierung sei nun fest verankert in der Zuchtordnung, heisst es da. Nun könne man darüber philosophieren, wann denn etwas fest verankert sei, z.B. wenn es rechtlich nicht anfechtbar ist, da es auf völlig korrekt gefassten, rechtsstaatlichen Entscheidungen basiert oder ob es nicht genüge, das etwas nun einfacher Bestandteil einer Sache sei – bedenke aber auch hier das Hervorheben von Nichtigkeiten, Leser! Manch einer findet natürlich immer ein Haar in der Suppe und sagt, da ohnehin alles illegal begonnen hat und das ist nunmehr sogar anwaltlich bestätigt, ist doch alles jederzeit anfechtbar, andere würden mäkeln, das stünde doch in erster Linie in der Zuchtzulassungsordnung und nicht in der Zuchtordnung oder was nicht auf Tagesordnungen explizit steht, kann als Änderung von Satzung und Ordnungen gar nicht beschlossen werden usw. Kritik ist immer einfach, das möchte ich entgegenhalten. Es ist schwer, im rechtsfreien Raum für nachvollziehbare Strukturen zu sorgen, die ja den ungleichen Geschwistern Spontaneität und Willkür Handfesseln anlegen – das muss immer bedacht werden.

Aber es sei doch Unsinn, daß 'dies' nun Debatten über die Reinrassigkeit der einzelnen Würfe überflüssig mache, äußerte ein aufgeregter Leser. So etwas aus der Hand eines Vorsitzenden eines Rassehundezuchtvereins sei doch wohl der Versuch oder aber der Beweis der totalen Verblödung. Jemand anderes schrieb, das sei doch wieder nur eine dreiste Standardlüge (man beachte die gewollte Zweideutigkeit!) von dem, für den sogar das FBI die Parameter der eigenen Lügendetektoren verändern müsste, damit ihnen nicht die Messinstrumente um die Ohren fliegen würden.

Nun aber halt, muß ich dem erregten Leser gebieten, Lügendetektoren basieren auf seriösen Messungen von 'Emotionen', die sich in körperlichen Signalen feststellen lassen und nicht auf der Dreistigkeit einer Lüge an sich, bei der dem 'Haut den Lukas' der Deckel wegfliegen würde – ich verbitte mir solche Polemik. Der erste Einwand ist aber nicht von der Hand zu weisen, eine solche Behauptung ist natürlich grenzenloser Unsinn. Weshalb aber veröffentlicht ein Mann in dieser Position eine solche Sicht der Dinge?

Jemand schrieb ja schon, das diene der Verblödung der Leserschaft und sei pure Absicht. Andere Meinungen gehen dahin, daß es der Mann tatsächlich selbst glaube oder nicht besser wisse, was er da unterschrieben hat, wieder andere vermuten, er hätte einfach der Veröffentlichung zugestimmt ohne gegengelesen zu haben, was ja auch kein Novum sei. Wohlwollende Harmonisten stellten in den Raum, es sei lediglich unglücklich formuliert, eigentlich meinte er etwas ganz anderes, und jemandem gleich Manipulation zu unterstellen, nur weil man ihm die Erfindung des Alphabets nicht anlasten könne sei ja wohl unterste Schiene.

Einig waren die Streithähne nur in dem Punkt, daß eine solche Typisierung lediglich eine Elternschaft nachweisen könne, wenn die am Test beteiligten Personen glaubwürdig seien und alles korrekt verlaufe, und daß eine solche Typisierung natürlich nach hinten losginge, wenn man auf die Idee käme, auf Basis dieser Resultate genetische Richtwerte für Reinrassigkeit erstellen zu wollen, was nichts anderes bedeute als die nachträgliche Legalisierung illegaler Mischlingseinkreuzung. Regelfetischisten wollten unbedingt darauf verweisen, daß die Zuchtregularien der FCI bei DNA-Proben ohnehin die Bestätigung eines Tierarztes erforderlich machen, damit man im Falle eines Verstosses einen Verantwortlichen hat, also sei die gesamte Diskussion um Zuchtwarte, denen mannigfaltige Zuchtverstösse vorgeworfen werden, ohnehin überflüssig.

So eine Meinungsbildung kann ganz schön anstrengend sein.......

Dienstag, 8. Juni 2010

ACHTUNG



Aus aktuellem Anlass gibt es heute mal nur eine Erklärung


Wie aus sicherer Quelle berichtet wird, hat ein Verein.....den wir nicht näher nennen wollen......einen Fachanwalt für Medienrecht engagiert, der auch auf Kosten der Mitglieder an der JHV teilnehmen soll.


Dieser hat nur die Aufgabe, künstlerisch wertvolle Miniaturen wie jene auf diesem und anderen Blogs sowie wahrheitsgemässe Äußerungen in Internetforen dahingehend zu untersuchen, den Autoren satzungskonträres Verhalten unterschieben zu können.


Natürlich müssen wir darauf reagieren, denn niemand möchte wegen lustiger Schnurren ohne greifbaren Zusammenhang verklagt werden. Daher werden wir dazu übergehen, alle Eingaben, die sowohl der Wahrheit als auch unserer persönlichen Ansicht entsprechen, mit realen Namen und tatsächlichen Begebenheiten in Verbindung bringen - damit sich eventuelle Klagen auch lohnen und der Gerechtigkeit genüge getan werden kann.


Der bisherige Grundgedanke dieses Blogs lautete:

The following is a true story, only the names have been changed to protect the guilty



Ersetze von nun an 'guilty' durch 'innocent'



Donnerstag, 3. Juni 2010

Der Schnurrbart der Hauptzuchtwartin

Teil I der Endzeit-Trilogie



Sehr geehrtes Mitglied,

hiermit teilen wir Ihnen mit, dass Sie mit sofortiger Wirkung aus unserem Verein ausgeschlossen sind. Aufgrund der Schwere Ihres Verstosses verzichten wir auf ordnungsgemässe Eröffnung eines Ausschlussverfahrens und erlauben uns, laut Satzung § 666 die Möglichkeit wahrzunehmen, aufgrund erheblicher Gefahr für die Interessen des Vereins geltendes Recht auszusetzen und willkürlich zu verfahren.

Ihnen wird vorgeworfen, am 24.7.2010 während eines Telefonats in Ihren Privaträumen Amtsträger verunglimpft zu haben. Während besagten Telefonats haben Sie nachweisbar auf der Titelseite des auf dem Tisch vor ihnen liegenden Clubmagazins das darauf befindliche Porträt der Hauptzuchtwartin unter Zuhilfenahme eines zufällig ergriffenen Kugelschreibers mit einem Schnurrbart, einem sogenannten Oberlippenbart, verunstaltet.

Das stellt eindeutig eine schwere Beleidigung eines Amtsträgers dar und wird mit der höchstmöglichen Vereinsstrafe geahndet.

Als Zeugnis führen wir an:

Eidesstattliche Erklärung des Mitglieds D. Nunziant, seiner Gattin, seiner Großmutter mütterlicherseits und eines Schwagers zweiten Grades sowie eines an Kindes Statt angenommenen Nachbarn bjelorussischer Herkunft über die Beobachtung der Tat mittels Fernglas

Ein Beweisfoto




Ihnen wird nicht die Möglichkeit zur Stellungnahme eingeräumt.
Ihre bürgerlichen Grundrechte sind gemäß Vereinssatzung außer Kraft.
Dieser Beschluß ist endgültig und nicht anfechtbar.

Im Namen des Vorstands



Versäumen Sie nicht demnächst:
Teil II Herzlich Wllkommen im Kundencenter unseres Vereins
Teil III Tyrannei beginnt mit angeblichen Notwendigkeiten

Montag, 31. Mai 2010

Von kalten Patienten und Einfaltspinseln

Oftmals werde ich gefragt, wann denn endlich ein zweiter Band mit Erzählungen auf den Markt käme, immerhin sind seit Erscheinen meines ersten Erzählbandes 'Der letzte Gang und andere Katastrophen' bereits sieben Jahre ins Land gegangen und die Leserschaft harre nach mehr. Meistens weiß ich dann immer nicht, was ich antworten soll, zumal es die Leser einem auch nie leicht machen. Ständig erwarten sie originelle Antworten, die auf sie als Person des besonderes Interesses zugeschnitten sind. Schlimmer als diese ewig wiederkehrenden Fragen nach einem zweiten Band sind diese Anfragen nach Verifikation eigener abstruser Interpretationen, die mir Leser schicken, häufig nebst Unterschreitung persönlicher Distanzen, als hätte man mit ihnen Schweine gehütet.

Einmal bekam ich eine derart liebevoll ausgearbeitete Interpretation auf soziologischer Basis meiner Erzählung 'Das Eigenheim', in welcher ein Mann, der seiner Frau an einem warmen Tage eine Wassermelone besorgen will, durch die Begegnung mit einem polnischen Passanten und einem farbigen Matrosen in eine persönliche Zwickmühle gerät, die ihresgleichen sucht. Nachdem ich dem Manne, der mich immerhin hochgradig höflich mit 'Verehrter Ernesto Honka' anschrieb, mitteilte, daß die Erzählung genauso viel Sinn enthalte wie das Lied 'Highway to Hell' nach Aussage des Gitarristen A. Young, nämlich überhaupt keinen, schrieb dieser lediglich zurück: 'Ich bin enttäuscht'. Das genau macht das Leben schwierig, die Leserschaft, man kann es ihr nicht Recht machen. Spielt man ihnen tatsächlich Inhalte dialektischer Qualität vor, werden sie immer zahlreicher in ihren Nachfragen, sagt man ihnen, man hätte den Kram nur geschrieben, um in die Künstlerkrankenkasse zu kommen, die einfach billiger ist, hassen sie einen aufrichtig und schleudern mit allerlei Beschimpfungen um sich.

Eigentlich schreibe ich nichts mehr, weil ich finde, daß die Realität die besseren Geschichten parat hält, vor allem in Bayern. Der tägliche Polizeibericht ist durch fiktive Adaptionen geschriebener Natur nicht zu überbieten. So hatte ich eine Geschichte aus dem Zollstocksammlermilieu schon fast komplett im Kopf. In dieser ging es schnell erzählt um einen Mord, dessen Anlass die Streitereien um einen einzigen Zollstock mit Werbeaufdruck einer Tischlerei waren, bei welchem allerdings die Telefonnummer einen Zahlendreher hatte. Hätte man nun diese Telefonnummer angerufen wäre man an Stelle der Tischlerei bei der örtlichen vietnamesischen Garküche gelandet. Von diesem Zollstock gab es wegen des Fehlers nur 25 Stück - weltweit, quasi die blaue Mauritius der Zollstöcke. Dazu gäbe es noch Beschreibungen des Umfeldes eines klassischen Sammlers. Man kennt ja diese Wohnungen - voller Zollstöcke, leerer Bierflaschen und schmutziger Wäsche, die Frau ist schon lange weg ('Du musst dich entscheiden, die Zollstöcke oder ich') und alles Geld geht für diese sinnlosen Meßwerkzeuge drauf - und auch die armen neurotischen Kerle. Jedenfalls erschlägt der Eine den Anderen, weil er die blaue Mauritius haben will. Das kommt natürlich raus, und die Anklage lautet 'Mord aus Habgier', es gibt auch einen Winkeladvokaten, der den Angeklagten heraushauen will, weil er bezweifelt, daß der Wunsch nach Besitz eines Zollstockes als Habgier nach StGB betrachtet werden könne.

Kurzum, der Täter wird zum Tode verurteilt, denn die Geschichte spielt in einem Land, in welchem es noch die Todesstrafe gibt. Während der Verurteilte dann auf einem Leiterwagen zum Schafott gefahren wird, gäbe es zeitgleich die Beschreibung, wie eine Entrümpelungsfirma die Wohnung des Opfers besenrein entleert und die ganzen Zollstöcke achtlos in einen Müllcontainer wirft und diese dann anzündet, denn niemand wollte den Plunder haben und alle potentiellen Erben hatten sich sowieso schon rechtzeitig distanziert. Sehr tragisch und ironisch das Ganze, wie ich finde. Ich wollte das wie ein Drehbuch für einen Film schreiben, in der Schlußszene hätte dann die blaue Mauritius im Feuer des Containers gelegen wie einst dieser blöde Schlitten bei Orson Welles - sehr dramatisch, aber ohne Sinn. Insgeheim hatte ich ja auf Verfilmung gehofft, denn schon einmal wollte sich jemand die Filmrechte sichern an der Titelgeschichte des oben beschriebenen Bandes. Den daraus resultierenden Film wollte er auf den Oberhausener Kurzfilmtagen zeigen. Daraus wurde aber nichts. Ich hörte nur, der Mann hätte stattdessen lieber einen Film gedreht über einen Wuppertaler Feuerwehrmann, den ich aber nie gesehen habe.

Das wäre aber alles nichts gegen die Realität, genauer gesagt den sogenannten 'Bestattermord' in der Oberpfalz, der den Interessierten einführt in die harten Bandagen rund um die kalten Patienten. Dort hatte ein Bestatter den eigenen Betrieb verkauft an einen Kollegen, für 73000 Euro, soweit ich mich erinnere. Nun bezahlte der Käufer, die spätere Übelkrähe, bar, und überzeugte den Verkäufer, das spätere Opfer davon, ihm das Geld doch noch ein paar Tage zu leihen, er bekäme als Rendite auch noch weitere 500.000 €. Das hielt der Verkäufer für eine gute Idee, erscheint ja auch absolut glaubwürdig.

Überraschenderweise blieb die Rückzahlung der 73.000 aus, ebenso der Bonus von 500.000. 'Pas de problem', said the liar to the fool, 'nur noch ein paar Tage, und es gibt sogar 100.000.000 US-$ und einen Mercedes der S-Klasse'. 'Nur noch etwas Geduld', hieß es. Der Verkäufer, der ja kein gutgläubiger Idiot war, wandte sich an einen Rechtsanwalt und sagte diesem, wenn er sich nicht wöchentlich bei ihm melde, stimme etwas nicht ganz, denn es ginge ja um 100 Millionen, und der Anwalt möge die Polizei rufen...oder so. So genau weiß ich das nicht mehr, jedenfalls hat der Anwalt irgendwann die Polizei gerufen, ob nun wegen ausbleibender Anrufe oder weil sein Mandant die Rechnung nicht beglichen hatte, weiß ich auch nicht mehr.

Was war geschehen? Nun, der Geprellte, der sich seiner Eigenschaft nicht hunderprozent bewusst war, hakte weiterhin nach, was denn mit seinem Geld wäre. Ihm wurde gesagt, er solle doch heute abend in die Bestatterbude kommen, dort würde er ausgezahlt. Dort angekommen wies man ihn an, mitzukommen in einen dunklen Nebenraum, denn so ein Batzen Geld liege nun mal nicht auf dem Wohnzimmertisch, was auch ganz einleuchtend klang, wie es scheint. Laut Behauptungen aufgrund von Indizien wartete dort aber nicht der Reichtum, sondern ein dritter Bestatter mit einem Kantholz, welches dieser dem ersten Bestatter über die Zwölf zog. Der gewaltsam aus dem Leben Geschiedene wurde angeblich umgehend unter falscher Identität der Kremierung zugeführt und seine Asche in einen Fluss gekippt, so die Überzeugung des Gerichts.

Diese stützte sich aber lediglich auf das Geständnis des Kantholz-Bestatters, der andere, der 100 Millionen Mann, behauptete steif und fest, das angebliche Opfer sei mit dem Erlös ab in die USA und aus steuerlichen Gründen abgetaucht und hätte ihm auch eine Ansichtskarte geschrieben. Dieser Argumentationsschiene folgte das Gericht wohl nicht. Wer weiß schon, was da wirklich geschah, aber hätte man so etwas aufgeschrieben für ein Drehbuch einer Folge Derrick oder so, hätten alle gesagt, so blöd ist doch kein Mensch und Derrick wird auch immer durchschaubarer. Deshalb schreibe ich nichts mehr!

Mitunter schreibt man auch die eine oder andere Hommage, was aber bisweilen übel genommen wird. Geplant war mal, die Geschichte eines Mannes aufzuschreiben, der die Idee hatte, Vorsitzender eines Hundezuchtvereines zu werden, einerseits zum Zwecke der Selbstverwirklichung, andererseits um sein Ansehen in der Geschäftswelt aufzupolieren und 'Connections' zu knüpfen. Dieser scheiterte dann jedoch an seinen nicht vorhandenen Talenten, geriet finanziell und privat unter Druck und musste einen Zweitjob bekleiden als 'Einfaltspinsel' auf Kindergeburtstagen. Seine schon traditionelle Erfolglosigkeit auch in diesem Genre liess sein Selbstwertgefühl in den Keller sinken, die Geschichte hätte sein Ende spekulativ offen gelassen, wie es sich gehört.



Da hätte sich die Leserschaft aber beschwert, das kann man glauben. Was es denn für eine Unverschämtheit sei, derart plakativ bei Woody Allen herumzuplagiieren, wenn einem nichts einfalle, solle man doch bitte auch nichts zu Papier bringen Was hätte man da entgegnet? Natürlich ist 'Broadway Danny Rose' ein großer Einfluss in meinem Schaffen, und was ihr ein Plagiat nennt, ist für mich eine alleneske (wie bei 'kafkaesk', wenn man das schreiben darf) Ehrerbietung.

Wenn das Publikum alles besser weiß, wozu um alles in der Welt sollte man sich da noch in Gefahr begeben und Werke veröffentlichen?

Sonntag, 28. März 2010

In der DDR war nicht alles nur schlecht.....

.......hört der aufmerksame Lauscher oft, wenn er Volkes Stimme Gehör schenkt.


Meist beziehen sich diese Aussagen auf oberflächlich betrachtete Kleinigkeiten, aber scheinbar hat das ganze System als solches auch nachhaltigen Einfluss auf die Denkstrukturen verschiedener Vereinsfunktionäre.


Unlängst las ich in einem Neuigkeitenbrief, daß der gesetzliche Vorstand eines Vereins beantragt, in die Satzung aufzunehmen, daß alle Mitglieder des erweiterten Vorstandes vom Antragsteller ernannt und entfernt werden und nicht wie bisher in diesem Verein üblich, vom Souverän des Vereins, der Hauptversammlung (oder auch: das Volk).


War es bisher üblich, daß besagte Vertreter des erweiterten Vorstandes aufgrund der Wahl durch die HV sogenannte besondere Vertreter im Sinne des BGB und damit zur unabhängigen Arbeit für ihren Geschäftsbereich ermächtigt waren, würden sie fürderhin nur noch gefügige Handlanger des Vorstandes sein. Das macht natürlich dann Sinn, wenn ein Vorstand nur im eigenen Interesse arbeitet und Satzungen und Ordnungen mit Füßen tritt. Denn dann könnte man sich unbehelligt die Taschen vollstopfen, weil keiner da ist, der regulierend das Wort erhebt.


Musste man bisher nicht gefügige Amtsträger mittels illegitimer Verfahren auf Kosten der Vereinskasse mundtot machen und riskieren, von höherer Instanz an die grundsätzliche Gültigkeit von Satzungen erinnert zu werden (und womöglich die Kosten wegen vorsätzlichen Verhaltens selbst zu tragen), würde man sie nun einfach entlassen und fertig ist.


Was genau bedeutet denn das, wird so manch Leser fragen? Nun, es bedeutet, daß der Souverän lediglich die fünf Vorstandsposten per Wahl bestimmen darf, alle anderen Posten besetzt das Konglomerat der Fünf Freunde, analog zum früheren Zentralkomitee. Das Zentralkomitee ernennt dann natürlich nur Parteisekretäre, die auf Linie sind und die über saubere Kaderakten verfügen unabhängig von Kenntnissen und Fähigkeiten.....und das sind immerhin mehr als zehn Posten.


Im Grunde entsteht nichts weiter als eine Einheitsliste, die Vielfalt im Denken und Handeln wird verhindert und Veränderungen werden weitestgehend ausgeschlossen. 'Aber nein, dazu müsste man ja mehr als nur einen Paragraphen der Satzung ändern, so einfach ist das nicht', wird da der satzungsaffine Mitleser ausrufen. Im Grundsatz richtig, aber wer hält sich schon an Satzungen und Ordnungen, wenn er den ersten Schritt zur totalen Kontrolle hinter sich hat? Schon jetzt werden Urteile höherer Instanzen schlichtweg ignoriert, anstatt Konsequenzen bezüglich der eigenen Person zu ziehen wird weiter in Richtung Eskalation gearbeitet.


Man kann lediglich hoffen, daß jeder einzelne Souverän bemerkt, was da beabsichtigt ist, damit der betroffene Verein nicht genauso in Inkompetenz versinkt wie dieser Staat, in dem nicht alles nur schlecht gewesen sein soll......






Dienstag, 23. März 2010

Gerechtigkeit bekommt man nur vor Gott.....

....und vor dem VDH-Verbandsgericht.

In diesem Sinne geht der Dank an all die, die das schon immer wussten und an die, die nur daran glaubten oder hofften und sich nichtsdestotrotz jederzeit unterstützend ins Zeug legten.

Viele Grüße auch an alle, die sich dezent distanzierten und nun die Flamme der Zuneigung wieder zum Lodern bringen wollen und an die, deren genetisch bedingter Opportunismus sich jetzt scheinbar neu orientieren muss - bitte nicht die Haut des Wildschweins verteilen, ehe man es erlegt hat.

Die mitfühlenden Gedanken des empathischen Geistes sind mit den pfiffigen Originalen, die fest davon überzeugt waren, daß Justizias Blindheit für sie nur eine grobe Empfehlung darstelle. Auch wer sich in seinem rechtsfreien Wolkenkuckucksheim sicher wähnt, kann aus allen Wolken fallen.....

.......und last but not least ein Hoch auf Meinungsfreiheit in Foren, Satire in Blogs und die Feuerwehr!

Samstag, 2. Januar 2010

Bedrohte Rechtssysteme - Heute: Die Lex Anneliesia

Die Lex Anneliesia ist eine Rechtsvorschrift benannt in Anlehnung an alte römische Gesetzgebung wie zum Beispiel die Lex Calpurnia und anderen. Obwohl sie in der heutigen, bildungsbedingt aufgeklärten Zeit vielleicht etwas veraltet anmutet, findet sie jedoch immer noch vereinzelt Freunde in gesellschaftlichen Mikrokosmen wie Verbänden oder Vereinen.

Die Lex Anneliesia ist eine recht einfache Rechtsvorschrift, deren einziger Grundsatz der ist, dass immer die Sichtweise des Gesetzgebenden bindend ist für alle Vorgänge im Mikrokosmos. In der praktischen Anwendung, besonders heutzutage, gibt es jedoch schon gewisse Abschwächungen in der Nachhaltigkeit der Grundsätze zu erkennen. Genügte früher ein Grundsatz, so ist es heute möglich, bei eventuellen Einsprüchen oder Vorgehensweisen Einzelner im Mikrokosmos die Zauberformel auszusprechen, die da lautet: ‚Mir gefällt das nicht’ oder vereinzelt auch ‚Ich will nicht xxx’, wobei ‚xxx’ einen Platzhalter für etwas repräsentiert, welches der oder vor allem die Gesetzgebende nicht favorisiert.

Sollten jedoch besagte Formeln nicht ausreichen, ist es mittlerweile üblich, in einem Gremium von fünf Personen, geführt vom Gesetzgebenden, Erlässe zu beschliessen, die mitunter für Außenstehende infantil anmuten, aber jederzeit rechtswirksam sind (zumindest im Mikrokosmos). Mitglieder des Gremiums stehen über dem Recht, zwar besteht die Möglichkeit, deren Handeln und Tun vor dem Gremium in Frage zu stellen, jedoch urteilen diese jeweils selbst über ihre eigenen Verfehlungen.

Die Lex Anneliesia erfordert neben einem Gremium der Fünf auch immer die Mitarbeit sogenannter geduldeter Schergen, deren Duldung zeitlich begrenzt ist auf die Zurschaustellung ihrer Gefügigkeit, was diese aber erst bemerken, wenn ihre Duldung ausgelaufen ist.

Die rechtsphilosophische Basis der L.A. ist das Postulat ‚Das haben wir schon immer so gemacht’, welches jederzeit vom Gesetzgebenden anhand von Anekdoten aus den Befreiungskriegen belegt werden kann. In nachhaltiger Wirkung ist damit natürlich ein gewisser Fortschritt ausgeschlossen, was aber in der Natur der Sache liegt, da die L.A. als archetypische Rechtsform eher das Mittel der Wahl von Kleingeistern ist, deren mangelnde Werte und Fähigkeiten im Konglomerat einem Fortschritt zwangsläufig feindlich gegenüberstehen und somit, unter Beachtung, dass es gute und schlechte Diktatoren gibt, lediglich für schlechte Usurpatoren von eigenen Gnaden geeignet erscheint.

Der Todfeind der Lex Anneliesia ist der Rechtsstaat moderner demokratischer Prägung mit absurden Einrichtungen wie Gewaltenteilung oder unabhängiger Justiz oder überhaupt differenzierten Gesetzen und Ordnungen. In der heutigen Zeit kann die Lex Anneliesia als Gesetzgebung ganz alter Schule nur noch in versprengten Mikrokosmen existieren und muß sich hinter rechtsstaatlichen Grundsätzen wie Bürgerlichen Gesetzbüchern oder Satzungen auf rechtsstaatlicher Grundlage verstecken, die im krassen Gegensatz zur L.A. stehen, und um ihr Biotop kämpfen. Die Feinde der Lex Anneliesia, aufgehetzt durch ein modernes Bildungssystem und die Annahme von Werten, nutzen immer mehr das demokratisch geprägte Rechtssystem, um die letzten Bastionen der L.A. auszuradieren.

Freunde des archaischen Totalitarismus sollten sich zusammenschliessen und für die Erhaltung dieser einfachen, aber wirksamen Rechtsform streiten, die auf ihre Weise für eine einzigartige Rechtssicherheit sorgt. Kontaktadressen sind beim Autor nachzufragen.

Siehe auch ‚Lex Opilia’