Montag, 30. November 2009

Soll ich Dir mal meinen Donald zeigen?


Heute hörte ich en passant zwei ganz lustige Nachrichten im öffentlich-rechtlichen Radio. Die erste bezog sich auf den Rücktritt eines Ministers, der Opfer seiner zur Schau gestellten Inkompetenz wurde, die für die Bevölkerung dann mit dem Adjektiv 'glücklos' umschrieben wird. Sicher sind Minister immer nur Symbole guten Willens, noch besser bezahlt selbstredend, aber ansonsten sind sie natürlich in ihren Fächern jeweils völlig unbedarft, was unter anderem auch erklärt, daß ein Minister mal ganz schnell in ein anderes Ressort wechseln kann, ohne ein Universalgenie zu sein. Geraten nun diese Symbole massiv unter Beschuss, müssen diese eben zurücktreten, das ist Teil des Spiels und aufgrund der ungeschriebenen Regeln zwangsläufig.

Was in der Politik gilt, sollte im Mikrokosmos eines Vereins auch gelten. Wird da also jemand in Vorstandsämter gewählt - weil er es gern wollte, nicht weil er gezwungen wurde – obwohl er von allem nicht den blassesten Schimmer hat und auch unter galoppierender Lern- und Beratungsresistenz leidet, sollte er nach einer gewissen Häufung auffälliger Stolpersteine auch den glücklosen Minister machen und nicht immer weiter dilettieren, bis nichts mehr übrig ist.

Die zweite Nachricht des Tages betraf den beliebten Volkssänger 'Heino'. Der Barde verlor einen Prozess und muß nun die Kosten für den Ausfall einer Tournee selbst tragen, obwohl er dahingehend eine Versicherung abgeschlossen hatte. Die Tournee des Künstlers, der uns Lieder wie 'Regenbogen Johnny' oder aber 'Der Gott, der Eisen wachsen liess, der brauchte keine Knechte' ans Herz trällerte, wurde abgesagt, weil Heino Ohrensausen hatte – wirklich! Das Problem ist nur, besagtes Ohrensausen, respektive Tinnitus, wie der Mediziner sagt, hatte der Volkskünstler schon vorher, dieses aber der Versicherung verschwiegen - Vorsatz, sagt das Gericht; und Vorsatz zahlt. Minister zahlen, glaube ich, nicht für Vorsatz, Vorsitzende schon, die wie Heino das Ohrensausen für sich behalten und ganz bewusst den Karren an die Wand fahren......arme Kerle.

Vielleicht haben die auch nur was falsch verstanden, diese unschuldigen Täter. Ein Beispiel für Mißverständnisse dieser Art fiel mir unlängst ins Gedächtnis zurück. Es mag mehrere Dekaden zurückliegen, im juvenilen Alter saß man in der Gruppe beim Bier oder Alternativem und redete über dies und das. Am Tisch saß auch eine Freundin von mir, die seinerzeit jemanden anhimmelte, der ebenfalls in der Runde saß, jedoch ohne diesen anzusprechen (jeder wußte es, nur der Mann selbst nicht). Diese Freundin war die in der Gruppe, die kein Fettnäpfchen ausliess und von einer Peinlichkeit in die nächste stapfte – in jeder Gruppe gibt es so jemanden.

Während der lustigen Runde sprach nun der Angehimmelte spontan die ihn Anbetende an mit den Worten: „Soll ich Dir mal meinen Donald zeigen?“. Die Freundin lief hochrot an, jeder am Tisch schwieg und der eine oder andere war bemüht, nicht das Kaltgetränk quer über die Anrichte zu spucken. Als die Freundin mittels Hyperventilation wieder ins Leben geholt war, krempelte der Frauenschwarm ein Hosenbein hoch und enthüllte eine Donaldtätowierung an der Wade, auf die er sehr stolz war......so kann das gehen, man lacht, aber manchmal fällt der Groschen eben nicht, vor allem, wenn es um Comicfiguren geht und diese in Relation zur Realität gesehen werden.

So manche Menschen scheinen aber die Comicwelt für sich umzubiegen und erdreisten sich, als Superhelden das Heft des diktatorischen Handelns selbst in die Hand nehmen zu müssen, so wie gestern die berühmten Meerjungfraumann und sein Handlanger Blaubarschbube, die jeder aus der Serie Spongebob kennt, die ungewöhnlich tiefsinnig ist für Geschichten mit einem Schwamm. Offenbar haben unsere beiden Helden diese Tiefsinnigkeit nicht richtig erkannt und waren der Meinung, Frauen öffentlich einschüchtern zu müssen, obwohl sie ansonsten diesem Geschlecht bereitwillig Untertan sind. Das ist natürlich schlimm für die Glücklosen, aber es steht ihnen ja frei, sich dem Minister anzuschliessen.....bevor noch mehr geschieht.


Freitag, 27. November 2009

Das Märchen vom rücksichtslosen Prinzesschen

Vor gar nicht allzu langer Zeit lebte in einem kleinen Königreich eine Königin, die ihr Volk mit harter Hand regierte. In ihrem Königreich war das Lachen verboten und einmal in der Woche mussten sich alle Untertanen im Hof der königlichen Burg einfinden, um kollektiv von der Königin angebrüllt zu werden. Das Volk war unzufrieden, aber kaum jemand wagte es, seine Unzufriedenheit zu artikulieren, denn die Königin kannte bei Kritik kein Pardon. Schon wer es wagte, ein wenig zu lächeln, wurde mit hundert Stockhieben bedacht, es ist in den Annalen des Reiches nicht genau überliefert, welche Strafen die zu erdulden hatten, die sich beschwerten, so schrecklich mussten diese gewesen sein.

Es war der Königin bewusst geworden, daß sie wahrscheinlich nicht ewig leben würde, auch wenn sie nur unwillig akzeptierte, daß alles mal ein Ende haben sollte. So dachte sie schon seit längerer Zeit darüber nach, wer denn einst ihr Königreich übernehmen sollte, daß zwar kein großes war, aber immerhin zwei Mal größer als Lummerland. Wem sollte sie denn bloss ihr Vermächtnis anvertrauen, all die im Laufe ihres Lebens angesammelten Ländereien, welche sie in all ihrer List und Unrechtmäßigkeit an sich gebracht hatte und worüber das Volk nur hinter vorgehaltener Hand redete?

Immerhin hatte sie vier Kinder, zwei Töchter und zwei Söhne, aber die Erbfolge bestimmte ohnehin, die Krone nur an weibliche Nachkommen weiterzureichen. Das war ihr schon ganz recht, war doch der ältere Sohn ein Luftikus, der in den Schwemmen und Tavernen des Reichs nächtelang das Vermögen der Monarchin verschlemmte und unzählige Metzgergesellen und Pferdeknechte freihielt, die zwar den Königssohn nicht mochten, aber in seiner Gegenwart immerhin ungestraft lachen und tief ins Glas schauen konnten. Der jüngere Sohn war zu überhaupt nichts zu gebrauchen, fand die alternde Königin, sie fragte sich schon oft, wie sie diesen Jungen verdient hatte, dessen täglicher Kampf gegen den Schlaf seine ganze Aufmerksamkeit forderte. Er behauptete gern, an einer merkwürdigen Schlafkrankheit aus dem Morgenland zu leiden, die ihn immer ganz unvorbereitet in einen tiefen Schlaf versetzte, vor allem, wenn die Königin nach ihm verlangte, und das obwohl er das Königreich nie verlassen hatte und Gesandte aus den maghrebinischen, levantinischen und osmanischen Reichen das Königreich mieden, weil sie Angst vor der Königin hatten.

So blieben ihr nur ihre zwei Töchter. Die ältere war sicher die klügere der beiden, auch war sie ihrer Mutter immer treu ergeben. Obwohl sie manchmal, wenn mal wieder ein Untertan hundert hinten drauf bekam, weil er zu lachen wagte, körperlich mitzufühlen vorgab, wandte sie sich nie von der Mutter ab und stand ihr loyal zur Seite. Ihr war es aufgetragen, den Staatsschatz zu hüten. So zählte sie Tag aus Tag ein die Auetaler, so hiessen die Münzen, mit denen man im Königreich handelte. Nur ab und zu, wenn ihr mißratener Bruder mal wieder so viel verzecht hatte, daß der Staatsschatz ein bedenkliches Maß unterschritt, sagte sie ihrer Mutter, diese müsse wieder ein neues Gesetz erlassen, um das Volk noch mehr auszupressen. Die ältere Tochter wollte gern die Favoritin der Königin sein, das hätte ihr gereicht, vielleicht hätte sie dafür sogar auf die Krone verzichtet, aber es hat nicht sollen sein.

Die Gunst der Königin gehörte der jüngsten Tochter. Dieser brachte die Königin all die Zuneigung entgegen, die die ältere Tochter gern gehabt hätte, denn das Leben ist nicht immer gerecht. Es gefiel der Königin, daß ihre Favoritin die Rücksichtslosigkeit an den Tag legte, die sie selbst einst so groß gemacht hatte. Mußte die Königin ein neues Gesetz erlassen, war es die Aufgabe der jüngeren Tochter, dieses zu schreiben. Oftmals verstanden die Untertanen die Gesetze nicht, weil sie unverständlich formuliert waren und gerieten deshalb mit ihnen in Konflikt. Es gab aber auch einfache Gesetze, wie das, daß die jüngere Tochter der Königin bei Spielen immer gewinnen muß. Einmal bat der ältere Bruder seine Schwester, ein Gesetz zu machen, das ihn unentgeltlich zechen lassen sollte. Weil aber die Soldaten und Richter der Königin das Gesetz nicht verstanden, wurde der Königssohn verhaftet und bekam 50 Stockhiebe. Da war der Bruder böse auf die Schwester, wagte es aber nicht, sich bei der Königin über diese zu beschweren und tröstete sich stattdessen mit verschiedenen Braten.

Die jüngere Tochter wollte auch gern das Königreich im Ausland vertreten, aber die Vertreter der anderen Königreiche, all die Könige und Fürsten, wollten die jüngere Tochter in ihren Ländern nicht haben, da diese kein Benehmen hatte, das ihrem königlichem Geblüt entsprochen hätte. Ständig beleidigte sie die ausländischen Fürsten bei ihren Besuchen und sorgte für Verstimmungen in den Beziehungen, was soweit ging, daß Könige anderer Reiche an den Grenzen Armeen aufstellten, um der Königin zu verstehen zu geben, sie solle nie wieder ihre Tochter zu ihnen senden.

Da mußte die Tochter im Lande bleiben und vergnügte sich damit, selbst Stockhiebe an Untertanen zu verteilen, Brücken zu konstruieren, die immer einstürzten und Gedichte zu schreiben, die sie dem Volke vortrug an den Tagen, an dem es von der Königin angebrüllt wurde. Das Volk mußte applaudieren, was aber der Tochter nicht laut genug war. So formulierte sie ein Gesetz, daß das Volk nicht nur zu applaudieren hatte, sondern auch noch aus voller Kehle 'Encore, Encore' skandieren sollte. Zur Durchsetzung der Gesetze wurde dem lyrikfeindlichen Volk mit ein paar Stockhieben auf die Sprünge geholfen, aber der Unmut im Volke wuchs.

Der Königin schwante nichts Gutes, aber niemals würde sie ihre Favoritin preisgeben, im Gegenteil. Sie belohnte ihre Jüngste mit immer mehr Aufgaben, und je mehr Aufgaben diese anging, desto mehr wuchs der Unmut wie in einem Teufelskreis.

Einmal im Jahr offerierte die Königin ihrem Volke eine Audienz, auf welcher den Untertanen die Möglichkeit gegeben wurde, Bitten an sie zu richten. Natürlich richtete niemand eine Bitte an die Herrscherin, denn das Stellen einer Bitte war der offene Ausdruck einer gewissen Unzufriedenheit, und Unzufriedenheit wurde nicht toleriert. Frühe Quellen sprechen wohl von Einem, der dereinst den Mut hatte, eine Bitte an die Monarchin zu richten, nur darf der Name dieses Mutigen nicht laut ausgesprochen werden, und niemand weiß, wo sich seine sterblichen Überreste befinden.

So begab es sich, daß auch in diesem Jahre die Audienz gewährt wurde, wie immer eröffnet durch einige wenige gebrüllte Begrüßungsworte und gefolgt von der Aufforderung, wer denn immer auch etwas vorzutragen hätte, solle nun die Gelegenheit haben. Niemand erwartete natürlich einen Vortrag während der Audienz, die ältere Tochter zählte stumm die Auetaler, der ältere Sohn langte kräftig am Büffet zu, während sein jüngerer Bruder bereits wieder eingenickt war und die jüngere Tochter die Bediensteten beim Kartenspiel um die ohnehin karge Entlohnung prellte.

Doch geschah es, daß ein Bürger es wagte, halblaut die Königin anzugehen.
„Majestät, bei allem Respekte,
ich wollt Euch bitten flehentlich,
uns zu befreien von der Fron der Verse,
zu lauschen gezwungen wir täglich sind,
gebt uns mehr Hiebe, wenn es Euch gefällt,
aber bitte, nicht mehr diese Worte,
die eine schlimmere Folter sind
als alle Streckbänke dieser Welt.“

Der Königin fehlten die Worte ob dieser Dreistigkeit, sie lief hochrot an und es zeigten sich schon die ersten weißen Flecke, als die jüngste Tochter vors Volk sprang und im Namen der Königin verkündete, daß es ab sofort verboten sei, überhaupt das Haus zu verlassen. Wenn das Volk keine Verse wolle, dann könne es auch zu Hause bleiben, und wenn das Volk zu nichts mehr nutze sei, sei es ihm auch verboten, Kinder in die Welt zu setzen, und das würde ab sofort gelten. Die Königin bestätigte sogleich, daß dem ab jetzt so sei, und so ward es Gesetz geworden.

Die ältere Tochter dachte bei sich, sie müssten jetzt alle verhungern, weil ja niemand mehr auf den Feldern arbeitete, und niemand würde sie mehr bedienen, denn alle Lakaien mussten in den Häusern bleiben, und das Volk würde aussterben, wenn es keine Kinder mehr gäbe, und ohne Volk gäbe es auch kein Königreich, aber niemals würde sie der Königin entgegentreten und es ihr erklären. Der älteste Sohn hatte alles nicht so recht verstanden, und entschied sich, erst morgen darüber nachzudenken, da noch einiges Wildbret auf seinen Verzehr wartete, während sein Bruder alles verschlafen hatte. Die Königin unterdessen war es zufrieden, daß ihre Tochter alles so lösen könne, wie es sich gehöre.

Und so geschah es, daß alle Untertanen schmählich verhungerten und die Königsfamilie folgte ihnen nach, und es begab sich, daß ein ganzes Königreich vom Erdboden verschwand. So hatten letztendlich alle verloren, egal welchem Stande sie angehörten, nur weil eine Königin nicht einsichtig war, aber auch weil das Volk mit einer Ausnahme alles klaglos ertrug. Der Schreiber der Chroniken des Reiches soll noch bis zum letzten Atemzug seiner Aufgabe nachgekommen sein und berichtete von einer Königin im Wahn, die mit ihrer jüngsten Tochter noch wochenlang durch die Gänge des Schlosses irrte, über die anderen Kinder ist nichts bekannt.

Das Königreich wurde nie wieder besiedelt, nur die alte Schlossruine steht heute noch. Es geht die Mär, bei Nacht könne man immer noch die Königin und ihre Prinzessin in den Gängen hören.

Mittwoch, 25. November 2009

Fancy im Ohr, Giordano im Herzen

Ich möchte dem Leser gestehen, daß ich partiell dem Aberglauben nachhänge. Nicht diesen Mainstreamformen, die nur Tot und Verderben aufgrund verschiedener Formen des Glaubens mit sich bringen. Dieser Tage las ich in stockendem Verkehr auf einem Stoßstangenaufkleber Provokatives: „Mein Gott trägt einen Hammer, Deiner wurde an ein Stück Holz genagelt – also, was willst Du mir erzählen?“ Naja, was dem einen Blasphemie, ist dem anderen schlagendes Argument....

Bei mir ist es aber nur die Überzeugung, daß das Wohl und Wehe eines Tagesablaufs mitunter damit zusammenhängt, welches Lied am frühen Morgen im Radio gedudelt wird. So weiß ich, daß man lieber wieder ins Bett schlüpfen sollte, wenn man beim Morgenkaffee mit Phil Collins, Tina Turner oder gar den Beach Boys gefoltert wird. So ein Tag kann nur in die Hose gehen. Heute allerdings versüsste mir der Fancy den Morgen, den wir alle wegen 'Flames of Love' zu Recht verehren, gefolgt von Wolfgang 'Wolle' Petry, dem gottgleichen Idol des kleinen Mannes.

Vielleicht könnte man auch Aufkleber herstellen, auf denen Dinge stehen wie“Gott trägt nicht Hammer, trägt nicht Kreuz er, nur Holzfällerhemd und Schnäuzer“ und diese auf Tankstellen im Ruhrgebiet verkaufen....ain't no fun waiting round to be a millionaire (kann man schon mal bringen kurz vor dem 30. Todestag, wie ich finde).....aber vielleicht ist der Sprung von Wolle Petry zu Bon Scott ein zu heftiger......




Zurück zum Thema. An so Tagen, die vielversprechend beginnen, ziehen einem bei Betrachtung der Entwicklungen auf allen Ebenen immer geschichtliche Maßnahmen durchs Hirn. In diesem Jahr begeht man ja den 2000. Jahrestag der Varusschlacht, die kurioserweise nach dem Verlierer benannt ist. In gewisser Weise ein wegweisendes Ereignis. 'Der hat denen die Schweinskaldaunen ganz schön lang gezogen' wird da der Geschichtsromantiker ausrufen, aber darum geht es nicht. Vielmehr finde ich es wichtig, daß der Protagonist, den einige Quellen Arminius nennen (nach dem im Berliner Arbeiterstadtteil Moabit eine Markthalle benannt ist) in der Lage war, untereinander verfeindete Gruppierungen temporär zu einen in Ermahnung des gemeinsamen Zweckes, des gemeinsamen Wertes.



Oftmals gelingt es despotischen Systemen nur deshalb an der Macht zu bleiben, weil die Opposition uneins ist. Gelingt es jedoch, diese zumindest zeitweise zu einen, ist es immer möglich, auch die überheblichsten Tyrannen in die Knie zu zwingen, vorausgesetzt, man ist taktisch gut aufgestellt. Unser Arminius wäre den Römern sicher nie in offener Feldschlacht gegenübergetreten, seine Taktik war natürlich abgestimmt auf die Gegebenheiten. Manch einer wird kritisieren, daß durchaus drastisch tabula rasa gemacht wurde, nur andererseits ist es vielleicht mitunter nötig, vor allem in Notsituationen, die gesellschaftliche Resettaste zu betätigen......

Helden, die überdauern, können aber auch unerschrockene Einzelkämpfer sein, deren vordergründig heroisches Scheitern durch das Überdauern der Werte im Endeffekt zum Sieg avancierte. Jeder kennt den grandiosen Querdenker Giordano Bruno, der zwei Eigenschaften hatte, die ihm in einer Gesellschaft von Gier und Machtdenken zum Verhängnis wurden – Wissen und Überzeugung. Der alerte Cosmopolit hatte ja wirklich ein bewegtes Leben, welches er immer unter der Prämisse 'Wissen statt Glauben' führte. Natürlich schlug er hier und da über die Stränge, aber nur der langweilige Mensch lebt von lauwarmem Tee und Grapefruitsaft, das ist heute auch nicht anders.

Zwangsläufig mußte dieser Freigeist, der dem Ansehen derer, die sich die Taschen vollstopften und das Volk belogen und dumm hielten, schadete, vor der Inquisition landen. Was soll man schon machen, wenn man wegen Magie und Ketzerei angeklagt wird? Sollte man widerrufen, wird man nichtsdestotrotz verknackt, also kann man auch durch einen großen Auftritt mehr bewegen und womöglich das System für alle erträglich gestalten. Giordano hat das so gehandhabt und wurde prompt zum Scheiterhaufen bestellt.......aber mal ehrlich, wer weiß denn heute noch, wer seinerzeit im BGB-Vorstand der Inquisition war? Wie recht er doch hatte, als er ihnen entgegenrief:

„Mit größerer Furcht verkündet Ihr vielleicht das Urteil gegen mich, als ich es entgegennehme.“



Mittwoch, 18. November 2009

Am Besten komm' ich durch den Tag, wenn ich mich ganz doll selber mag

Mein lieber C.,


als Leiterin des Ressorts Primzahlen möchte ich Dich bitten, nicht weiterhin öffentlich zu behaupten, die offizielle Sichtweise unseres Vereins ist die, daß Primzahlen nicht immer zwingend ungerade sein müssen.


Diese Aussage ist völliger Unsinn und widerspricht jeder vorgegebenen Sichtweise auf die Definition einer Primzahl (ohne Beachtung von 0 und 2).


Weiterhin verweise ich darauf, daß bei der letzten Herbstzahlenschau in der Klasse 'Primzahlen zwischen 500 und 1000' der Sieger in seinen Aufzählungen die Zahlen 554, 682 und 924 genannt hatte und nicht disqualifiziert wurde, desweiteren finden sich unter den Aufzählungen der ersten zehn Plazierten insgesamt 23 Nicht-Primzahlen. Das ist umso überraschender, als daß sowohl eine brandneue Aufzählordnung zur Verfügung stand und der Leiterin der Veranstaltung zur Kompensation der Dyskalkulie eine differenzierte Liste der zugelassenen Primzahlen zur Verfügung stand.


Ich möchte Dich bitten, Dich der Angelegenheiten anzunehmen und ordnungsgemäß zu korrigieren.


viele Grüße


B.




Hallo B.


Deine Forderungen sind völlig überzogen und Dein Verhalten inakzeptabel. Der BGB-Vorstand hat auf seiner Sitzung mehrheitlich festgestellt, daß es durchaus üblich ist, daß Primzahlen gerade sind. Die Definition der Primzahl ist lediglich eine grobe Empfehlung und im Laufe der Zeit ist es einfach erforderlich, offen für Neues zu sein.


Deine Kritik an der Herbstzahlenschau ist absolut überflüssig und nichts anderes als pure Fehlersucherei. Wir haben im BGB-Vorstand beschlossen, daß Du ab jetzt nicht mehr für das Ressort Primzahlen zuständig bist. Deine letzte Kritik an unseren Veranstaltungen zeigt ganz klar, daß wir Dir einfach kein Vertrauen mehr entgegenbringen können.


Ich möchte Dich daran erinnern, daß Du Dich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckertest, als Du öffentlich die Entscheidung des BGB-Vorstandes, daß die Erde eine Scheibe sei, im Internet in einschlägigen Foren kritisiert und als unsinnig und realitätsfern bezeichnet hast. Der BGB-Vorstand hat durchaus die Kompetenzen, Entscheidungen über die grundsätzliche Form der Erde zum Wohle unseres Vereins zu treffen.


im Namen des BGB-Vorstandes


C.