Dienstag, 13. Oktober 2009

Das Soldier Of Fortune ist auch nicht mehr das, was es mal war

Das ist keine Wertung, sondern lediglich eine nüchterne Feststellung. Sicher mag das zusammenhängen mit dem Zahn der Zeit und der rasanten Entwicklung rund um klare, schwarz-weisse Feindbilder, die heute immer mehr zu schwammigen Übergängen tendieren. Auch habe ich den Eindruck, daß der Klassiker unter den Söldnermagazinen ein wenig an Popularität aber auch an Schrecken verloren hat und nicht nur wegen des Internets ein wenig aus dem Bewusstsein der Bevölkerung entschwunden scheint.

Was konnte man früher, so Anfang der 80er, für Schindluder allein mit dem Namen treiben. Wer erinnert sich nicht gern daran, wenn man an das schwarze Brett der philosophischen Fakultät der FU Berlin folgende Anzeige hing?

Soldier of Fortune
80 - 83, komplette Jahrgänge
guter Zustand
Anruf ab 22:00
lange klingeln lassen, öfter versuchen

....und darunter die Telefonnummer des verhassten Nachbarn, von dem man wusste, daß er früh raus musste

Das ist natürlich ein billiger Scherz, aber allemal als Experiment verwertbar, denn kurioserweise haben unglaublich viele kleine Philosophen im Schutze der Anonymität des damaligen Telefonnetzes angerufen, um den Anbieter aufs übelste des Militaristentums usw. zu bezichtigen, aber nie hat sich jemand getraut, den Zettel vom Brett zu nehmen....man weiß ja nie.....höchstens besagter Nachbar, der die Schliche durchschaut hatte. Aber auch so funktionierte die Sache nur, weil die politische Sensibilität eine andere war - so etwas gibt es heute nicht mehr, ob es an der galoppierenden Volksverblödung im Allgemeinen oder in der Zentralisierung der persönlichen Präferenzen im Besonderen liegt, weiß ich nicht.

Was konnte uns das SOF bieten, also jetzt nicht nur den Berufsoptimisten, die glaubten, mit 60 guten Leuten ganz Westberlin besetzen zu können, jedoch nicht vor dem Aufstehen? Die Knarren bekam man ohnehin nicht, und die alliierten Waffengesetze vereinfachten die Situation auch nicht gerade, boten aber doch auch indirekt den Markt durch Bereitstellung bewaffneter Protagonisten. Das Wahre ist aber anders, man kennt ja die Erzählungen von den Leuten, die von Sowjetoffizieren eine Makarov kaufen wollten und nach zähem Ringen Einigung erzielten, aber dann nur ein gefälschtes Autogramm des wohl besten Eishockeyspielers aller Zeiten für viel Geld bekamen. Man schob es letztendlich auf die Sprachbarriere, was konnte man schon einfordern?

Der amerikanische Kontrahent war da offener, aber wer wollte schon als kostenpflichtige Beigabe ein Dutzend 5-Gallonen-Kanister 'Mop & Glow' oder Übergrössen unverkäuflicher 501er in 38/28 kaufen, nur um sich die Chance auf eine angerostete Kurzwaffe nicht zu verderben? Aber 'Mop & Glow' war schon toll und bei den Großeltern zu Weihnachten beliebter als Doppelherz oder Klosterfrau.

Aber halt, auch mir brachte es etwas für mein Wertesystem und das in Form einer comicartigen Grafik. Diese zeigte einen schwerbewaffneten Söldner mit richtiger Hackfresse, in der Sprechblase stand: "I got five or six of them already, even if they get me next, I've won my part of the war." Grossartig und wegweisend zugleich, auch das kleinste Mosaiksteinchen ist wichtig im Konzert des Allumfassenden, und es lohnt sich, sich dafür einzusetzen, auch wenn es vordergründig unsinnig und wenig vielversprechend erscheint.


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