Ich dachte gerade an eine Geschichte, die mir die Mutter einer Freundin mal vor vielen Jahren erzählte. Sie traf in der Westberliner U-Bahn den Frontmann der Formation 'Shakin' Lefty & the Taxmen', die allenfalls lokale Bekanntheit erlangt hatte mittels ihres Kneipen-Rockabilly. Besagter Lefty teilte ihr aufgeregt mit, die Band würde jetzt den letzten Anlauf nehmen, an das ganz große Geld zu kommen und man hätte sich innovativ umbenannt in 'Lefty & Taxmen'. Natürlich wußte die Zuhörerin, daß diese Bemühungen für die Katz waren und das Talent allenfalls für 14-tägliche Auftritte in der 'Eierschale' ausreichten. Just als sie Lefty ihre ehrliche Meinung als Freund und Mensch nahebringen wollte, zog dieser einen 45er Trommelrevolver und rief durch den ganzen Waggon, er würde sich mittels dieser Kurzwaffe ins Jenseits befördern, wenn seine Karriere nicht ruckartig ins Rollen käme. Deutlich irritiert nahm die Erzählerin sogleich Abstand von ihrem Vorhaben und stieg unter einem Vorwand vor ihrem eigentlichen Reiseziel aus, nachdem sie Lefty alles Gute gewünscht hatte......
Eine schöne Analogie zum Thema Realitätsverlust, wie ich finde. Auf der einen Seite der die Realität aus den Augen Verlierende, auf der anderen die Menschen in seiner Umgebung. Ich meine, niemand ist verpflichtet, auf den ihm Nahestehenden einzugehenden, wenn dieser z.B. mit der Realität und dem anhängigen Verlust umgehen kann.
Wenn z.B. Peter Maffay in der Zeitschrift 'Bravo' bekennt, er wäre gern ein wilder Rocker, so beschreibt das zwar einerseits die Realitätsferne, aber man hat auch nicht den Eindruck, der kleine Mann würde nachhaltig unter unerfüllten Träumen leiden. Auch bei temporären Realitätsabwesenheiten besteht kein Zwang zum Eingreifen. Auf einem Musherabend sahen einst mehrere Menschen einen Teilnehmer, der völlig abwesend der aufspielenden Coverband aus dem Sächsischen lauschte, die gerade eine Nummer des großen Achim Reichel intonierte, in welchem die afrikanische Insel Sansibar unter Zuhilfenahme von Klischees aus der christlichen Seefahrt assoziativ in die Südsee befördert wird. Der Mann war völlig textsicher und sang halblaut vor sich hin. Jemand sagte, er würde gerade seinen eigenen Film ablaufen lassen; und siehe da, danach war er wieder in dieser Welt und orderte mehr Bier. Kein Grund zur Sorge.
Anders verhält es sich, wenn Leute daran zugrunde gehen, wie gestern beschrieben in einem Rex Gildo Portrait im TV. Der Mann hatte schon früh jede Urteilskraft verloren, er glaubte unter anderem, seine zurechtgestutzte Indianerperücke und die falsche Bräune würden seinem Typ Internationalität verleihen und niemand würde bemerken, daß sein zur Schau gestelltes Interesse an der Weiblichkeit nur 'gespielt' war. Dazu gab es die üblichen Stellungnahmen semiprominenter Vollpfosten, die 'betroffen' zugaben, ihn nicht direkt vor dem Untergang bewahrt zu haben.....Der Tenor war in etwa 'hätten wir gewußt, daß der Rex nur noch unter Schnaps und Tabletten auf die Bühne konnte, hätten wir bestimmt was gesagt' und ähnliche Ausreden......als ob das keiner gesehen hätte, wenn das Pelztier schief auf dem Kopf saß, aber da wird natürlich selbstschützerisch abgestritten. Immerhin war wohl wenigstens das Testament ungültig, wie ich verstanden zu haben glaube, aber was hilft das, wenn Rex aus dem Fenster gemacht hat?

Es ist einfach Pflicht, bei Realitätsverlust einem nahestehender Personen unabhängig von den eigenen Prioritäten einzugreifen. Man muß klar sagen, daß dort kein Tapir in der Küche ein paar Schnittchen zubereiten würde, anstatt immer wieder die gute Pflege desselben durch den abgedrehten Mentor zu loben - das ist man diesem schuldig.
Der Kapitän der Titanic sagte auch immer, es gäbe hier keine Eisberge, und letztendlich mußte die Kapelle bis zum Ende spielend so tun, als verhalte es sich augenscheinlich wirklich so. 'Aber nein, so ein Unsinn, das kann man so nicht ins Verhältnis setzen', wird da womöglich ein Kapitän von Heute anmerken, der sich sprachlich in der Metaphorik bewegen möchte, 'natürlich achten wir auf Eisberge, wir schauen sogar in voller Kompetenz ganz genau hin, ob da was aus dem Wasser ragt, und seien es nur die 10%, die man sieht, also könne die Kapelle ruhig weiter Musik machen'.......
Eine schöne Analogie zum Thema Realitätsverlust, wie ich finde. Auf der einen Seite der die Realität aus den Augen Verlierende, auf der anderen die Menschen in seiner Umgebung. Ich meine, niemand ist verpflichtet, auf den ihm Nahestehenden einzugehenden, wenn dieser z.B. mit der Realität und dem anhängigen Verlust umgehen kann.
Wenn z.B. Peter Maffay in der Zeitschrift 'Bravo' bekennt, er wäre gern ein wilder Rocker, so beschreibt das zwar einerseits die Realitätsferne, aber man hat auch nicht den Eindruck, der kleine Mann würde nachhaltig unter unerfüllten Träumen leiden. Auch bei temporären Realitätsabwesenheiten besteht kein Zwang zum Eingreifen. Auf einem Musherabend sahen einst mehrere Menschen einen Teilnehmer, der völlig abwesend der aufspielenden Coverband aus dem Sächsischen lauschte, die gerade eine Nummer des großen Achim Reichel intonierte, in welchem die afrikanische Insel Sansibar unter Zuhilfenahme von Klischees aus der christlichen Seefahrt assoziativ in die Südsee befördert wird. Der Mann war völlig textsicher und sang halblaut vor sich hin. Jemand sagte, er würde gerade seinen eigenen Film ablaufen lassen; und siehe da, danach war er wieder in dieser Welt und orderte mehr Bier. Kein Grund zur Sorge.
Anders verhält es sich, wenn Leute daran zugrunde gehen, wie gestern beschrieben in einem Rex Gildo Portrait im TV. Der Mann hatte schon früh jede Urteilskraft verloren, er glaubte unter anderem, seine zurechtgestutzte Indianerperücke und die falsche Bräune würden seinem Typ Internationalität verleihen und niemand würde bemerken, daß sein zur Schau gestelltes Interesse an der Weiblichkeit nur 'gespielt' war. Dazu gab es die üblichen Stellungnahmen semiprominenter Vollpfosten, die 'betroffen' zugaben, ihn nicht direkt vor dem Untergang bewahrt zu haben.....Der Tenor war in etwa 'hätten wir gewußt, daß der Rex nur noch unter Schnaps und Tabletten auf die Bühne konnte, hätten wir bestimmt was gesagt' und ähnliche Ausreden......als ob das keiner gesehen hätte, wenn das Pelztier schief auf dem Kopf saß, aber da wird natürlich selbstschützerisch abgestritten. Immerhin war wohl wenigstens das Testament ungültig, wie ich verstanden zu haben glaube, aber was hilft das, wenn Rex aus dem Fenster gemacht hat?

Es ist einfach Pflicht, bei Realitätsverlust einem nahestehender Personen unabhängig von den eigenen Prioritäten einzugreifen. Man muß klar sagen, daß dort kein Tapir in der Küche ein paar Schnittchen zubereiten würde, anstatt immer wieder die gute Pflege desselben durch den abgedrehten Mentor zu loben - das ist man diesem schuldig.
Der Kapitän der Titanic sagte auch immer, es gäbe hier keine Eisberge, und letztendlich mußte die Kapelle bis zum Ende spielend so tun, als verhalte es sich augenscheinlich wirklich so. 'Aber nein, so ein Unsinn, das kann man so nicht ins Verhältnis setzen', wird da womöglich ein Kapitän von Heute anmerken, der sich sprachlich in der Metaphorik bewegen möchte, 'natürlich achten wir auf Eisberge, wir schauen sogar in voller Kompetenz ganz genau hin, ob da was aus dem Wasser ragt, und seien es nur die 10%, die man sieht, also könne die Kapelle ruhig weiter Musik machen'.......
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