Ein kriminalistischer Schwank in einem Akt und drei Szenen
Die Rollen und ihre Darsteller:
Alfredo Weberknecht, Kleinkrimineller und ehemaliger Zirkusartist - Rolf Zacher
Wachtmeister Dolling, niederrangiger Angehöriger einer Ordnungsbehörde - Dieter Hallervorden
Patrice Lumumba, Hehler - Peter Lorre
Stimme einer Nachbarin (nicht im Bild) - Inge Meysel oder Agnes Kraus, je nach Aufführungsort
1. Szene
Wohnzimmer des Herrn Weberknecht, einfache Ausstattung, Tisch, Bettsofa, Sessel. An der Wand Bilder von Kafka und Laurel & Hardy. Dazu vergilbte Zeitungsartikel über Schleuderbrettartisten.
Auf dem Tisch liegen Schmuck und verschiedene hochwertige Kunstgegenstände sowie eine größere Menge Geld in Scheinen. Auf dem Boden verstreut findet sich weiteres Bargeld. Laute Musik, wahlweise Limbo oder etwas von den Soulful Dynamics.
Weberknecht tanzt mit einem Kerzenständer aus Platin auf der Stirn durch den Raum. Er trägt ein bekleckertes Doppelrippunterhemd und Stoffhosen mit Gürtel, nimmt ab und an einen Schluck aus der Flasche, welche er in der linken Hand hält, offenbar Alkohol.
Es klingelt an der Tür
Ende erste Szene
2.Szene
Hausflur des Mietshauses, in welchem Weberknecht wohnt. Bühnenbild stark angelehnt an die Inszenierung 'Tratsch im Treppenhaus' des Ohnsorg-Theaters von 1968. Wohnungstür des Hernn Weberknecht. Dolling bedient die Türklingel. Weberknecht öffnet.
"Sie wünschen?"
"Guten Tag, Dolling mein Name, Herr Weberknecht?"
"Ja, richtig, Herr Wachtmeister, was kann ich für Sie tun?"
"Dürfte ich nähertreten?"
Weberknecht improvisiert merklich nervös: "Äh, nein.....ich habe gerade Damenbesuch, falls Sie verstehen was ich meine, die Situation ist etwas delikat....." Weberknecht zwinkert mehrfach mit dem linken Auge
Dolling reagiert verständnisvoll: "Oh, ja, sicher, ich verstehe. Ich selbst bin ja auch kein Kind von Traurigkeit und kann mit pikanten Situationen umgehen" zwinkert ebenfalls "
"Worum geht es eigentlich?"
"Nun, heute Nacht wurde die Witwe vom ollen Senator ausgeraubt, Sie hörten davon?"
"Ich? Nein. "
"Nicht .....ah ja, chercher la femme, natürlich. Dann will ich Sie mal kurz aufklären, wie gesagt, die alte Frau von Schwarz wurde um einiges erleichtert, all so häßlicher Kram, den sich reiche, alte Leute so kaufen, den Menschen wie wir uns nicht leisten können, uns aber auch nicht kaufen würden, wenn wir das Geld hätten."
"Häh?"
"Na, so Geschmeide und Münzen, goldenen Nippes und so Gerümpel, und natürlich noch Bargeld aus der Lebensversicherung des alten Knausers, man munkelt von mehr als Hunderttausend."
"Ach was..." kommt etwas ins Schwitzen "wie kann ich da helfen?"
"Es ist mir etwas unangenehm," spricht laut flüsternd, sichtlich um Diskretion bemüht "Jemand behauptet, Sie mit einem Sack über der Schulter aus der Villa kommen gesehen zu haben. Sicher nur ein Mißverständnis, aber bitte verstehen Sie..."
"Keine Ursache, Sie tun ja auch nur Ihre Pflicht. Ich war's nicht"
"Ja sicher, wir haben ja auch Vertrauen in unsere Bürger, aber Sie wissen ja auch, daß sich die Zeiten geändert haben. Der öffentliche Druck, diese ketzerischen Rufe nach Transparenz in der Gesellschaft. Früher hätte es gereicht, wenn sie mir gesagt hätten, Sie seien unschuldig, und die Sache wäre erledigt - aber heute."
"Ich sehe gerade, Sie sind nicht von der Polizei, sehe ich das richtig?"
"Ja, und nein" antwortet ausweichend "wissen Sie, es ist so, wir arbeiten für die Polizei, in deren Auftrag, aber eigentlich...."
"Ach dieses S....."
"Selbstgerechtes Handlanger Commando, genau, sie kennen sich aus, Herr Weberknecht, was?"
"Man tut was man kann"
"Kann ich Ihre Fingerabdrücke haben? Am Tatort wurden welche gefunden"
"Sie wollens wissen, nicht wahr?"
"Ich tue nur meine Pflicht."
"Jetzt gleich, oder wie?"
"Wenns passt"
"Mann, ich habe eine Dame zu Gast."
"Ach ja, sicher. Für diesen Fall habe ich ein Fingerprintkit für Sie. Zwei Bögen für die Abdrücke, ein Stempelkissen und einen Umschlag, frankiert, für portofreien Versand an unsere Dienststelle."
"Oh" schaut irritiert
"Nun, Sie nehmen jeden Finger, drücken ihn ins Stempelkissen...steht ja alles in der Anleitung"
"Wie? Einfach die Abdrücke aufs Blatt und abschicken, das is alles?"
"Na, so einfach ist das nicht. Sie sind ja ein Schlawiner, wo denken Sie hin. Wir brauchen doch einen Beweis, daß das Ihre Abdrücke sind."
"Verstehe, muss alles Hand und Fuss haben, Sie sind ja ein ganz Genauer."
"Alles nur im Namen des Volkes und für die öffentliche Sicherheit, lieber Weberknecht."
Man hört die Haustür, jemand kommt die Treppe hoch. Es ist Patrice Lumumba, der auf dem Weg zu Weberknecht ist. Als er den Polizisten sieht, hält er kurz inne. Weberknecht wirft ihm einen beruhigenden Blick zu. Lumumba tritt heran.
"Herr Wachtmeister, darf ich Ihnen meinen alten Freund Patrice Lumumba vorstellen."
"Angenehm, Dolling, Selbstgerechtes Handlanger Commando. Sie heißen Lumumba?"
"Ja."
"Sie sehen gar nicht aus wie ein Afrikaner."
"Das wird daran liegen, daß ich keiner bin."
"Wie....oh, ja, Verzeihung, wo waren wir gerade?"
"Sie hiessen mich einen Schlawiner."
"Ich? Ach so, ja. Passen Sie auf, das geht so. Während Sie die Abdrücke auf den Bogen machen, lassen Sie sich fotografieren. Haben Sie einen Apparat?"
"Ja."
"Na, dann. Lassen Sie das Bild ausdrucken oder lassen Sie einen Abzug machen. Der, der das Foto geschossen hat setzt einfach seine Unterschrift drauf, dazu die Anschrift und fertig. Das kommt mit in den Umschlag. Bombensicheres System und einfach zu bewerkstelligen. Sollte was schiefgehen mit den Abdrücken, haben Sie ja noch einen zweiten Bogen."
Weberknecht und Lumumba schauen sich noch irritierter an als sie ohnehin schon erscheinen
"Wenn der Herr Lumumba schon mal hier ist, könnte der das doch machen....ach nein, Sie haben ja Damenbesuch."
"Du hast Damenbesuch?"
Weberknecht schaut den Beamten aufgesetzt vorwurfsvoll an, dieser gerät ins Stammeln ob dieser vermeintlichen Indiskretion.
"Ich werde dann mal gehen. Meine Herren, meine Empfehlung." geht schnellen Fußes ab
Weberknecht und Lumumba bleiben verdutzt zurück
Ende zweite Szene
Dritte Szene
Zimmer Weberknecht. Lumumba hält eine Kamera in der Hand, trägt diamantene Ohrstecker und mehrere Colliers übereinander. Weberknecht sitzt am Tisch, die rechte Hand auf dem Fingerabdruckbogen, mit der linken Hand, in welcher er einen edelsteinbesetzten Kelch aus massivem Gold hält, prostet er in die Kamera und macht einen Kussmund wie Johnny Depp. Die Stimmung scheint ausgelassen. Es läuft laute, akkordeonlastige Volksmusik karpatischen Charakters. Es klingelt schon wieder.
Beide schleichen leise an die Tür, Weberknecht fragt:
"Ja?"
man hört nur die Stimme der Nachbarin
"Herr Weberknecht, wenn der Krach nicht aufhört, hole ich die Polizei."
Weberknecht und Lumumba lachen laut. Das Lachen wird lauter, wird danach elektronisch verfremdet und übertönt alle anderen Geräusche, hilfsweise etwas Hall unterlegen.
Vorhang
Auf dem Vorhang überlebensgroß oben beschriebenes 'Beweisfoto'.
ENDE
Samstag, 5. September 2009
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