Freitag, 25. September 2009

Bernd – Ein Affenmann geht seinen Weg...

...hiess es unlängst in der Zooshow aus dem Leipziger Etablissement. Mitunter ist die Show recht unterhaltsam, da dort noch verstanden wurde, exponierte Personen hervorzuheben oder skurrile respektive besondere Tiere in den Vordergrund zu rücken, anders als in allen nachgemachten Analogformaten. Kritisieren möchte ich lediglich den Ansager, dessen Intonation den Zuschauer aggressiv macht und bereits, wie ich las, hier und da zu Gewalttätigkeiten wider den familiären Fernsehapparat führte, wofür ich vollstes Verständnis habe. Der Titel dieser Miniatur hätte genauso 'Bernd – das Erfolgsmodell eines Vorzeigeprimaten' heißen können, tut er aber nicht, aber passend wäre es schon gewesen.

Unser Titelheld ist ein Pavian, der im Leipziger Zoo so vor sich hin lebt und irgendwie Protegé des Pflegers zu sein scheint, warum konnte ich der Kürze des Beitrags nicht genau erkennen. Bernd, der Pavian hat das Problem, daß seine Talente und seine Ausstrahlung lediglich für eine untergeordnete Position in der Gruppe reichen. Für ihn geht es einerseits darum, durch angemessenes Verhalten in der Gruppe zur Erfüllung seiner Bedürfnisse zu gelangen, also z.B. sein Stück vom Kohlrabi zu bekommen oder gar dereinst vielleicht auch eine Partnerin, andererseits muß er aber auch aufpassen, daß er bei seinen Umtriebigkeiten nicht dem Falschen auf die Füße tritt. Man weiß ja um die niedrige Hemmschwelle adulter Pavianmännchen, und wenn da einmal richtig hingelangt wird, könnte unser Held sich im Handumdrehen auf dem OP-Tisch der Zootierärztin wiederfinden, zudem wird man ja in streng hierarchischen Gesellschaften schnell mal bis ganz unten durchgereicht wie ein eingeholter Ausreisser bei einer Bergetappe der Tour de France.

Bernd ist davon allerdings weit entfernt – vom OP-Tisch, nicht vom Kohlrabi - denn er weiß um die Begrenztheit seiner Fähigkeiten. Er geht allem aus dem Weg, schlägt nicht über die Stränge und füllt sein kleines Nischenbiotop mit aus anthropologischer Sicht grundsympathischem Leben aus. Das mag der Zuschauer, das mögen Pfleger und Besucher, das scheinen auch seine Mitpaviane so zu empfinden. Ich finde ein solches Vehalten auch zutiefst sozial und angemessen, und hoffe noch vieles über Bernd auf seinem Wege durchs Leben zu erfahren.

more about Bernd:
http://www.mdr.de/elefanttigerundco/rueckblick/6321708.html

Donnerstag, 10. September 2009

Kleine Sünden.....

......bestraft der liebe Gott sofort, wie man so schön sagt.

Doch manchmal, in schwachen Augenblicken, entdecke ich eine starke Affinität zu drastischeren Sofortmaßnahmen in mir.

Musik ab:

Samstag, 5. September 2009

Der Verdacht

Ein kriminalistischer Schwank in einem Akt und drei Szenen

Die Rollen und ihre Darsteller:

Alfredo Weberknecht, Kleinkrimineller und ehemaliger Zirkusartist - Rolf Zacher

Wachtmeister Dolling, niederrangiger Angehöriger einer Ordnungsbehörde - Dieter Hallervorden

Patrice Lumumba, Hehler - Peter Lorre

Stimme einer Nachbarin (nicht im Bild) - Inge Meysel oder Agnes Kraus, je nach Aufführungsort


1. Szene
Wohnzimmer des Herrn Weberknecht, einfache Ausstattung, Tisch, Bettsofa, Sessel. An der Wand Bilder von Kafka und Laurel & Hardy. Dazu vergilbte Zeitungsartikel über Schleuderbrettartisten.
Auf dem Tisch liegen Schmuck und verschiedene hochwertige Kunstgegenstände sowie eine größere Menge Geld in Scheinen. Auf dem Boden verstreut findet sich weiteres Bargeld. Laute Musik, wahlweise Limbo oder etwas von den Soulful Dynamics.

Weberknecht tanzt mit einem Kerzenständer aus Platin auf der Stirn durch den Raum. Er trägt ein bekleckertes Doppelrippunterhemd und Stoffhosen mit Gürtel, nimmt ab und an einen Schluck aus der Flasche, welche er in der linken Hand hält, offenbar Alkohol.

Es klingelt an der Tür

Ende erste Szene


2.Szene
Hausflur des Mietshauses, in welchem Weberknecht wohnt. Bühnenbild stark angelehnt an die Inszenierung 'Tratsch im Treppenhaus' des Ohnsorg-Theaters von 1968. Wohnungstür des Hernn Weberknecht. Dolling bedient die Türklingel. Weberknecht öffnet.

"Sie wünschen?"

"Guten Tag, Dolling mein Name, Herr Weberknecht?"

"Ja, richtig, Herr Wachtmeister, was kann ich für Sie tun?"

"Dürfte ich nähertreten?"

Weberknecht improvisiert merklich nervös: "Äh, nein.....ich habe gerade Damenbesuch, falls Sie verstehen was ich meine, die Situation ist etwas delikat....." Weberknecht zwinkert mehrfach mit dem linken Auge

Dolling reagiert verständnisvoll: "Oh, ja, sicher, ich verstehe. Ich selbst bin ja auch kein Kind von Traurigkeit und kann mit pikanten Situationen umgehen" zwinkert ebenfalls "

"Worum geht es eigentlich?"

"Nun, heute Nacht wurde die Witwe vom ollen Senator ausgeraubt, Sie hörten davon?"

"Ich? Nein. "

"Nicht .....ah ja, chercher la femme, natürlich. Dann will ich Sie mal kurz aufklären, wie gesagt, die alte Frau von Schwarz wurde um einiges erleichtert, all so häßlicher Kram, den sich reiche, alte Leute so kaufen, den Menschen wie wir uns nicht leisten können, uns aber auch nicht kaufen würden, wenn wir das Geld hätten."

"Häh?"

"Na, so Geschmeide und Münzen, goldenen Nippes und so Gerümpel, und natürlich noch Bargeld aus der Lebensversicherung des alten Knausers, man munkelt von mehr als Hunderttausend."

"Ach was..." kommt etwas ins Schwitzen "wie kann ich da helfen?"

"Es ist mir etwas unangenehm," spricht laut flüsternd, sichtlich um Diskretion bemüht "Jemand behauptet, Sie mit einem Sack über der Schulter aus der Villa kommen gesehen zu haben. Sicher nur ein Mißverständnis, aber bitte verstehen Sie..."

"Keine Ursache, Sie tun ja auch nur Ihre Pflicht. Ich war's nicht"

"Ja sicher, wir haben ja auch Vertrauen in unsere Bürger, aber Sie wissen ja auch, daß sich die Zeiten geändert haben. Der öffentliche Druck, diese ketzerischen Rufe nach Transparenz in der Gesellschaft. Früher hätte es gereicht, wenn sie mir gesagt hätten, Sie seien unschuldig, und die Sache wäre erledigt - aber heute."

"Ich sehe gerade, Sie sind nicht von der Polizei, sehe ich das richtig?"

"Ja, und nein" antwortet ausweichend "wissen Sie, es ist so, wir arbeiten für die Polizei, in deren Auftrag, aber eigentlich...."

"Ach dieses S....."

"Selbstgerechtes Handlanger Commando, genau, sie kennen sich aus, Herr Weberknecht, was?"

"Man tut was man kann"

"Kann ich Ihre Fingerabdrücke haben? Am Tatort wurden welche gefunden"

"Sie wollens wissen, nicht wahr?"

"Ich tue nur meine Pflicht."

"Jetzt gleich, oder wie?"

"Wenns passt"

"Mann, ich habe eine Dame zu Gast."

"Ach ja, sicher. Für diesen Fall habe ich ein Fingerprintkit für Sie. Zwei Bögen für die Abdrücke, ein Stempelkissen und einen Umschlag, frankiert, für portofreien Versand an unsere Dienststelle."

"Oh" schaut irritiert

"Nun, Sie nehmen jeden Finger, drücken ihn ins Stempelkissen...steht ja alles in der Anleitung"

"Wie? Einfach die Abdrücke aufs Blatt und abschicken, das is alles?"

"Na, so einfach ist das nicht. Sie sind ja ein Schlawiner, wo denken Sie hin. Wir brauchen doch einen Beweis, daß das Ihre Abdrücke sind."

"Verstehe, muss alles Hand und Fuss haben, Sie sind ja ein ganz Genauer."

"Alles nur im Namen des Volkes und für die öffentliche Sicherheit, lieber Weberknecht."

Man hört die Haustür, jemand kommt die Treppe hoch. Es ist Patrice Lumumba, der auf dem Weg zu Weberknecht ist. Als er den Polizisten sieht, hält er kurz inne. Weberknecht wirft ihm einen beruhigenden Blick zu. Lumumba tritt heran.

"Herr Wachtmeister, darf ich Ihnen meinen alten Freund Patrice Lumumba vorstellen."

"Angenehm, Dolling, Selbstgerechtes Handlanger Commando. Sie heißen Lumumba?"

"Ja."

"Sie sehen gar nicht aus wie ein Afrikaner."

"Das wird daran liegen, daß ich keiner bin."

"Wie....oh, ja, Verzeihung, wo waren wir gerade?"

"Sie hiessen mich einen Schlawiner."

"Ich? Ach so, ja. Passen Sie auf, das geht so. Während Sie die Abdrücke auf den Bogen machen, lassen Sie sich fotografieren. Haben Sie einen Apparat?"

"Ja."

"Na, dann. Lassen Sie das Bild ausdrucken oder lassen Sie einen Abzug machen. Der, der das Foto geschossen hat setzt einfach seine Unterschrift drauf, dazu die Anschrift und fertig. Das kommt mit in den Umschlag. Bombensicheres System und einfach zu bewerkstelligen. Sollte was schiefgehen mit den Abdrücken, haben Sie ja noch einen zweiten Bogen."

Weberknecht und Lumumba schauen sich noch irritierter an als sie ohnehin schon erscheinen

"Wenn der Herr Lumumba schon mal hier ist, könnte der das doch machen....ach nein, Sie haben ja Damenbesuch."

"Du hast Damenbesuch?"

Weberknecht schaut den Beamten aufgesetzt vorwurfsvoll an, dieser gerät ins Stammeln ob dieser vermeintlichen Indiskretion.

"Ich werde dann mal gehen. Meine Herren, meine Empfehlung." geht schnellen Fußes ab

Weberknecht und Lumumba bleiben verdutzt zurück


Ende zweite Szene


Dritte Szene

Zimmer Weberknecht. Lumumba hält eine Kamera in der Hand, trägt diamantene Ohrstecker und mehrere Colliers übereinander. Weberknecht sitzt am Tisch, die rechte Hand auf dem Fingerabdruckbogen, mit der linken Hand, in welcher er einen edelsteinbesetzten Kelch aus massivem Gold hält, prostet er in die Kamera und macht einen Kussmund wie Johnny Depp. Die Stimmung scheint ausgelassen. Es läuft laute, akkordeonlastige Volksmusik karpatischen Charakters. Es klingelt schon wieder.

Beide schleichen leise an die Tür, Weberknecht fragt:
"Ja?"

man hört nur die Stimme der Nachbarin

"Herr Weberknecht, wenn der Krach nicht aufhört, hole ich die Polizei."

Weberknecht und Lumumba lachen laut. Das Lachen wird lauter, wird danach elektronisch verfremdet und übertönt alle anderen Geräusche, hilfsweise etwas Hall unterlegen.

Vorhang

Auf dem Vorhang überlebensgroß oben beschriebenes 'Beweisfoto'.

ENDE