Donnerstag, 20. August 2009

Vorsicht Gold !!!!

Als Kind liebte ich meine Schallplatte mit der Geschichte des Räubers Hotzenplotz. Im Grunde sollte diese Geschichte ja den Kindern den Unterschied zwischen Gut und Böse erklären ohne sich der sonst üblichen traumatisierenden Brutalitäten zu bedienen, erreicht wurde aber nur, daß man beim Hören der Moritat seine frühkindliche Distanz zur Kriminalität überdachte und relativierte, was sicher nicht im Sinne des Erfinders war - aber man weiß es nicht.

Ich dachte unlängst an den sympathischen Räuber, der der Greisin keine über die Rübe zog, sondern lediglich deren Kaffeemühle entwendete - nicht, weil er Kaffee mahlen wollte, sondern weil diese beim Kurbeln die Volksweise 'Alles neu macht der Mai' intonierte. Zur Strafe hatte der Missetäter nun den Enkel der Greisin und dessen Passmann am Hals, Kaspar und Seppel, welche den perfiden Plan entwickelten, ihn zu überlisten.

Man nahm eine Holzkiste und schrieb deutlich sichtbar die Worte 'VORSICHT GOLD' darauf und hatte vor, den Dieb auf frischer Tat beim Diebstahl besagten Lockvogels (oder Hasen, wie es in 'The Big Lebowski' heißt) zu stellen.....was auch irgendwie funktionierte oder auch nicht....weiß ich nicht mehr so genau. Ist aber auch irrelevant, worum es geht, ist, daß ich daran dachte, als ich an einem Feld vorbeifuhr, auf welchem Genmais angebaut wird.

Schon als Kind hielt man diese Idee mit der Holzkiste für eine absolute Schnapsidee, in der selben Liga angesiedelt wie diese Sache mit den Eingeborenen auf der Insel, die einen riesigen Schutzwall errichteten, um King Kong abzuhalten, aber gleichzeitig ein gigantisches Tor einbauten, durch das sich der Megaprimat im Ernstfalle jederzeit Entrée verschaffen könnte. Völlig unrealistisch.....

Nun ist der Anbau von Genmais ja etwas, was sicher gesellschaftliche Ächtung auf breiter Front nach sich zieht - und nicht nur das, man muß sogar nachhaltigen Vandalismus fürchten. Nun stellt sich mir aber die Frage, weshalb die Leute unbedingt an diese Felder riesige Schilder, groß wie das King-Kong-Tor, aufstellen müssen, auf denen unübersehbar Dinge stehen wie 'Hier steht Genmais....bitte auf jeden Fall umhauen oder abfackeln'....im übertragenden Sinne. Niemand kann doch diesen Mais von anderem, unmutierten Gemüse per Anblick unterscheiden. Warum also schreiben die das da so plakativ 'rauf? Ich hätte Verständnis, wenn die Schildaufsteller nebenher mit Macheten oder Brandbeschleunigern handeln würden, aber ich denke, das werden nur handelsübliche Landwirte mit dem landwirtüblichen Hang zur Umweltzerstörung sein. Völlig rätselhaft, aber immerhin hilft es, Hotzenplotz und King Kong in einem ganz anderen Licht zu sehen.

An Feldern, auf welchen Kartoffeln angebaut werden, stehen oft auch Schilder, die uns die Namen der Erdäpfel verraten, vielmehr den Namen der Kartoffelsorte, keineswegs die Rufnamen der Kartoffeln als Individuum. Diese haben ja immer Frauennamen wie Erdhilde oder Sieglinde, und obwohl beklagt wird, daß immer mehr Kartoffelsorten verschwinden und fast nur noch McDonalds-kompatible Arten angebaut werden, würde niemand auf die Idee kommen, Kartoffelfelder zu verwüsten und dabei Dinge zu rufen wie 'Sieglinde, stirb' nur weil da so ein Schild steht.

Das hängt mit dem Stellenwert der Kartoffel in unserer Gesellschaft zusammen, denn diese gilt allgemein als sympathisches Gemüse.

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