Irgendwo hatte ich mal aufgeschnappt, daß das Gehirn zwar alle Eindrücke aufnimmt, die man so im Laufe des Tages aufschnappt oder irgendwie wahrnimmt, aber zum reinen Selbstschutz die meiste Information wieder löscht, da ja sonst die cerebrale Festplatte recht schnell voll würde.
Wie dem auch sei, man behält trotzdem allerlei unnützes Zeug im Gedächtnis, das man nicht einmal bewußt wieder löscht - man kann es nicht einmal ignorieren. Es dient eigentlich zu gar nichts, maximal kann man in geselliger Runde den einen oder anderen absurden Fakt zum Besten geben und unvermittelt Langweiler beeindrucken.
Wen interessiert es schon, daß der grundunsympathische Fernsehunterhalter Frank Elstner bekennender Träger eines Glasauges ist und 'Frank' ein 'Künstler'name ist und der Mann eigentlich Timm heißt?.....der in der DDR vergötterte Schauspieler Rolf Römer, der unter anderem mal den Wildtöter in einem DEFA-Western gab, hieß bürgerlich Rolf Specht, und Roland Kaiser, der Schlager singt als würde er Gebrauchtwagen verkaufen kam als Roland Keiler auf die Welt. Das weiß ich, aber was nutzt es?
Seit heute weiß ich auch, daß das Heavy-Metal-Zentrum Saudi Arabiens die Stadt Jeddah ist, daß in Taiwan einmal ein 17 Meter langer Pottwal, der am Strand verendet war und zu Forschungszwecken in die Uni Taipeh gefahren werden sollte, auf dem Weg dorthin explodierte und alles ringsherum einsaute und Marlene Dietrich mit 30 keine Backenzähne mehr hatte.
Was fange ich mit dem Wissen an, daß John Lee Hooker auch Platten unter dem Namen John Lee Booker oder gar Texas Slim herausbrachte? Nichts, wird da der Leser sagen, das weiß doch jeder. Das mag stimmen, nur kann man damit sicher eine Agglomeration universell interessierter Lehramtsstudenten aus dem Badischen ins Schleudern bringen, wenn diese wieder einmal ihr Standardwissen preisgeben und man ergänzend kontert, daß der vergötterte Musikant Angst vor Gespenstern hatte und in gewisser Weise auch das Ende der Rassentrennung in den USA bedauert. Das möchte ich sehen, wie er dann dreinschaut, der zukünftige Lehrkörper. Dann wird es heißen, man interessiere sich ja mehr für das Schaffen als für die Person.
Das ist falsch, oftmals hilft das unnütze Wissen über Schrulligkeiten eines 'Künstlers' über Schwächen im Werk hinweg, so daß der Betrachter über ein differenzierteres Bild einen anderen Blickwinkel erhält. Man kann über die 'Les Humphries Singers' sagen, was man will. Seit ich aber erfuhr, daß Les selbst, der ja für seine Unlust, die Geldgier der Steuerbehörden zu befriedigen, einem breiteren Publikum bekannt war, dereinst durch seinen Zwillingsbruder seinen Tod bekannt geben ließ, um der ewigen Flucht ein Ende zu bereiten, bewundere ich den Mann.
Der Umstand, daß er überhaupt keinen Zwillingsbruder hatte, lässt einen einerseits sofort ausrufen 'Was für ein Idiot', nur andererseits verdient ein solches Vorgehen der erweiterten Dreistigkeit alle Hochachtung, so etwas überhaupt in die Tat umzusetzen. Es ist diese Art von Hochachtung, die den Menschen dazu bringt, zukünftig lautmalerisch mitzusingen, wenn im Radio mal wieder 'Mama Lou' oder 'Mexico' usw. gespielt werden - die Würdigung des Außergewöhnlichen.
Ich habe auch Respekt vor zum Beispiel Country-Boy John Denver (jaja, ich weiß auch wie der bürgerlich heißt.....), diese Form des nöligen Quengelgesangs sucht Seinesgleichen ohne jemals fündig zu werden. Vor Jahren, noch im Kindesalter, schnappte ich auf, daß die Schauspielerin Jane Fonda skandalöserweise öffentlich behauptet hatte, John Denver sähe aus wie ein Karnickel. Damals kannte ich weder Actrice noch Chansonnier, nur war diese Entgleisung, die sich unerklärlicherweise in mein Gehirn gefressen hatte, nachhaltig genug, um J. Fonda immer als hölzern und deplaziert zu empfinden, wohingegen ich jedes noch so kitschige Arrangement J. Denvers verzeihe und diesem eine Tendenz zur Kunst bescheinige.
Vielleicht sollte man wie andere auch mit diesem unnützen Wissen Geld verdienen. Mancher bringt sogar Lexika zum Thema heraus, und Größen wie Max Goldt sind sich auch nicht zu fein, damit Kasse zu machen, in dem sie im Kontext irgendwelcher Glossen herausposaunen, daß die Frau, die seinerzeit auf den Bändern zu hören war, die in der Berliner U-Bahn dem Reisenden die Bahnhöfe vorhersagten, eine arbeitslose Schauspielerin war, die in einer Nervenheilanstalt endete. Sollte man wirklich davon profitieren, daß man weiß, daß der Komparse, der den 'Samson' in der Sesamstrasse gab, im Kostüm einen finalen Herzinfarkt erlitt oder wäre das nur geschmacklos?
Einmal, zu einer Zeit als es noch keine Trash-Magazine im TV gab, die ständig überflüssige Eigenschaften noch überflüssigerer Leute servieren, wurde bekannt, daß der damalige 'größte Mann der Welt', ein Afrikaner, in einem Hotel versehentlich über die Balkonreling fiel und seinen Titel verlor. Unnützes Wissen kann auch lückenhaft sein, denn ich weiß nicht mehr, wie der Mann hieß und aus welchem afrikanischen Land er stammte.
Mittwoch, 5. August 2009
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