Freitag, 24. Juli 2009

Do Androids Dream of Electric Sheep.....

....oder auch können Hunde politisch sein?

Sicher sind das zwei Fragen, auf die nicht jeder Leser sofort eine Antwort parat hat. Ich will da etwas ausholen, um vielleicht den einen oder anderen auf die richtige Spur zu leiten.

In meiner Kindheit wurde ich zwei, drei Mal zum Zwecke des Verwandtenbesuchs nach 'Drüben' geschliffen, genauer gesagt zu Tante Frieda nach Bad Langensalza. Dort war alles, so meine Erinnerung, etwas altmodisch aber beschaulich. Tante Frieda hatte einen Nachbarn, dessen Hühner ich mir immer gerne anschaute - Erich. Nun hiess es aber immer: "Geh nicht zum Erich, denn Erich ist politisch." Mit sechs, sieben Jahren kann man damit nicht unbedingt viel anfangen, und es sollten noch Jahre ins Land gehen, bis ich begriff, was das bedeutete.

Ich war da auch auf dem Rummel an der Losbude. Nun denken Kinder ja von der Welt immer als Einheit, also überall ist das selbe Wetter, es kommt immer das gleiche Fernsehprogramm und alles hat den gleichen Namen. Ich war ja von Berlin (West) gewohnt, daß an der Losbude die Gewinne mit Namen von Berliner Bezirken beschrieben wurden, die Preise waren analog gestaltet zur Kaufkraft der Einwohner der aufgedruckten Bezirke, hatte man also 'Wedding', konnte man maximal auf ein gebrauchtes Kaugummi hoffen, bei 'Steglitz' oder 'Zehlendorf' durfte man auf 'Freie Auswahl' drängen.

Wie es sich begab, stand auf einem meiner Lose ein Gewinn mit Namen 'Schlaraffenland'. Es ist nun nicht so, daß man mit sechs Jahren denkt, die würden ganz schön auf den Putz hauen, nein, überhaupt nicht. Langer Rede, kurzer Sinn, ich bekam einen Streifen Kaubonbon aus DDR-Produktion und war ein wenig enttäuscht, kompensierte das aber schnell dadurch, daß ich ja aus dem goldenen Westen kam, wo schon im Arbeitermilieu goldene Wasserhähne Standard waren, täglich Coq au Vin an Pellkartoffeln gereicht und Katzen mit russischem Kaviar aus der 1kg-Dose verköstigt wurden......so etwas tröstet.

Was ich sagen will ist......so als Kind denkt man doch, wenn ein Kaubonbon das Schlaraffenland repräsentiert, was werden dann wohl die Kleingewinne sein und assoziiert dann voreilig Grundsätzliches über den eigentlichen Zustand der Wirtschaft der DDR und die Zufriedenheit der Bevölkerung.

Heute, nachdem vierzig Jahre ins Land gegangen sind, weiß ich, daß der Losbudenlümmel mich betrogen hat, der DDR-Bürger auch damals schon nicht ein Kaubonbon für das Schlaraffenland hielt und Erich ein informeller Mitarbeiter der Staatssicherheit war, der sich hinter seinen Hühnern versteckte.

Dieses Verständnis erlangt man mit der Zeit, wenn man Wissen anhäuft oder lernt, Zusammenhänge zu deuten. Unlängst sah ich im Fernsehen einen Bericht aus Nordkorea, in einer revolutionären Ballettdarbietung tanzten Leute als Kartoffeln verkleidet, was sicher ein augenzwinkernder Beitrag zur Mangelversorgung dort ist und dem Ausland gegenüber eine sogenannte 'Jetzt erst recht Attitüde' signalisiert.

So ist das auch mit der Ursprungsfrage, ob denn Hunde politisch sein können oder gar dürfen. Mir kam zu Ohren, daß Züchtern abgesagt wurde, weil der Erwerb eines Welpen am Orte persönliche (selbstredend negative) Konsequenzen für den Käufer in der Welt des Rassehundes haben könnte und man sich dementsprechend andernorts umtun würde.

Ein Film von Rosa von Praunheim hat den interessanten Titel 'Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt'. "Ach, der Rosa", wird so mancher ausrufen, "der hat doch immer nur eins im Kopf", aber darum geht es nicht. Manchmal muß man plakativ agieren, und da genügt es, die Worte 'Homosexueller' und 'pervers' gegen 'Hund' und 'politisch' auszutauschen, dann ist die Aussage leicht nachvollziehbar.

Ich finde, ich habe jetzt die Optionen, die analog auch der Nordkoreaner hat, wenn der Magen knurrt. Entweder ich schaue zu, wie Kartoffeln tanzen und stimme mit ein, oder ich sehe zu, daß ich selbst zu realen Kartoffeln komme zum Zwecke des Verzehrs. Man sollte immer die Wahl haben, immer die Chance zum eigenverantwortlichen Handeln.

Nur ist das hier kein Missionarsblog - wenn z.B. George Clooney in 'From Dusk Till Dawn' tönt "Ich sagte nicht, tut was ich tue, sondern tut was ich sage" in bewußter Anlehnung an ein Margaret Thatcher Zitat, so ist das eine klare Aufforderung zum Gehorsam. Missionare landen schnell im Kochtopf, da sie das Denken verhindern, das braucht niemand.

Ich will nur, daß es nicht dereinst heißt: 'Bleib weg von Iggy, denn Iggy ist politisch."




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